Monday Markets Mail #KW 43

am 19. Oktober 2020

Bleiben die Renditen (in Europa) tief oder steht uns ein starker Anstieg bevor?

© Adobe Stocks
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Kathrein Statement
 
Speziell vor dem Hintergrund der massiv steigenden Verschuldung der Staaten gibt es immer wieder Diskussionen und Befürchtungen, dass ein starker Renditeanstieg unausweichlich erscheint und daraus Kursrisiken für den gesamten Anleihenmarkt entstehen. Dieses Risiko für den Gesamtmarkt sehen wir derzeit – und vermutlich noch eine ganze Weile lang – als vernachlässigbar. Die Staatsverschuldung, die in der Eurozone mit Ende 2019 zwischen 8,4 % (Estland) und 176,6 % (Griechenland) des BIPs der einzelnen Länder lag und im Durchschnitt etwa 84,1 % betrug, wird wohl aufgrund der massiven Verschuldung und zusätzlich dem starken Rückgang des BIPs für den Durchschnittswert in der Größenordnung von zehn bis fünfzehn Prozentpunkten ansteigen. Wäre das nur bei einem Staat der Fall, würden die Investoren sofort darauf reagieren, natürlich unter Berücksichtigung der Ursachen die Schuldentragfähigkeit des Staates anzweifeln und eine höhere Kompensation des Risikos verlangen. Geschieht dies aber bei allen Staaten der Eurozone in ähnlichem Ausmaß und eigentlich sogar weltweit und werden die Ausgaben als zukunftsorientiert angesehen, und das gilt bei der Krisenbewältigung zum Großteil, so sollte darauf kein Renditeaufschwung folgen.
Um hier auch eine historische Einordnung zu treffen, kann man feststellen, dass die durchschnittliche Verschuldung in Relation zum BIP Ende 2000 (also zwei Jahre nach Start der Europäischen Währungsunion EWU 1999) bei den elf startenden Ländern zwischen 7,5 % (Luxemburg) und 109,6 % (Belgien) gelegen ist. Seither ist sie in Belgien um 4,8 Prozentpunkte zurückgegangen, in allen anderen Ländern aber gestiegen. Neben dem großen Block von acht Ländern, wo sich der Anstieg im Bereich zwischen 10 und 32 Prozentpunkten bewegt, stechen die beiden in der Krise hart getroffenen Länder Irland und Portugal mit einem Anstieg von 83,8 und 75,8 Prozentpunkten heraus.
Das Kathrein-Statement in voller Längen finden Sie im Download-Bereich der Börsenkommentare.