Neue Private Banker

BÖRSE SOCIAL MAGAZINE - Augabe 6/2019

Frischer Wind durch Quereinsteiger und M&A-Könner im elitären österreichischen Private Banking: Wilhelm Celeda (Kathrein Bank) und Robert Löw (LLB Österreich), beide seit Mai 2019 CEO in ihrer Bank, machen im Magazine-Talk Lust auf Privatbanken.

Neue Private Banker gibt es seit kurzem an der Spitze der Kathrein Bank. Eine Herausforderung für Banker, die lange Jahre auf der Equity- bzw. Derivateseite zu finden waren?

Wilhelm Celeda: Für mich persönlich sind das ganz sicher große Änderungen, ich war zuvor immerhin 25 Jahre in der Centrobank, es ist jetzt doch ein Wechsel von der Aufgabenstellung her. Andererseits bin ich seit vielen Jahren interessiert am Private Banking, wir haben auch in der Centrobank sehr viel mit Private Banking zu tun gehabt. Viel lief in diesem Zusammenhang über unsere Zertifikate- Kompetenz, wir waren da mit Kreation und Vertrieb im Private Banking Umfeld aktiv. Der Einsatz in großen Portfolios hat uns auch sehr interessiert an diesem Geschäft. Private Banking ist ein wachsendes Geschäft mit ausreichend Mitbewerb. Ich glaube, dass Private Banking etwas ist, das in unserer Region grundsätzlich eine Bankendienstleistung bleiben wird. Dies trotz Fintechs und Robo Advisors; gerade deswegen wird es einen Bedarf an persönlichem Kontakt geben.

Ich habe sogar das Gefühl, dass der Wunsch nach persönlichem Kontakt wieder mehr wird im aktuellen Nullzinsumfeld.

Celeda: Ob das jetzt wirklich mit den Zinsen in Zusammenhang steht, weiß ich nicht, es ist jetzt ja schon eine recht lange Gewöhnungsphase. Wir haben ja auch kaum Inflation, freilich sieht das nicht jeder, aber es setzt sich langsam durch, dass das nun eben so ist. Ich persönlich glaube vielmehr, dass der Bedarf da ist, eine gute und vertrauenswürdige Beziehung zu einer Bank zu haben, weil hier einfach viele Dinge zusammenlaufen. Vom Aufbau eines Vermögens bis zur Nachfolgethematik.

Welche Ressorts fallen bei der Kathrein Bank in die CEO-Zuständigkeit?

Celeda: In einer kleinen Bank ist es ohnedies so, dass alle sehr eng innerhalb des Vorstandes zusammenarbeiten. Für typische CEO-Bereiche wie HR und Legal bin ich zuständig, auch für Beteiligungen, auf der Business Seite direkt geht es um institutionelles Geschäft, dazu Stiftungen und Unternehmer.

Und mein zweiter Gesprächspartner hat ebenfalls vor kurzem von der RCB zur Kathrein Bank gewechselt, ist hier nun ebenfalls Vorstand, aber halt schon seit Anfang Februar da...

Stefan Neubauer: Ja, ich bin mit ein paar Monaten seit Start fast schon ein alter Hase hier (lacht). Ich bin verantwortlich für den Vertrieb und das Kundengeschäft in Österreich, CEE und CIS, der russische Markt stellt da den größten Teil dar, dazu auch Marketing & Communications. Ich glaube fest, dass das zusammengehört, es spiegelt sich bei mir in den Ressorts wider. Ich war zwar nicht 25 Jahre wie Kollege Celeda, aber doch immerhin 12 Jahre in der Centrobank. Wir wollen jetzt in der Kathrein z.B. mehr strukturierte Produkte einsetzen in der Vermögensverwaltung und in der Beratung unserer Kunden, das findet im Niedrigzinsumfeld durchaus Anklang für den Kunden.

Ich wollte nicht unterbrechen, aber wie ist hier Vertrieb gemeint?

Neubauer: Vertrieb ist vielleicht nicht ganz das richtige Wording, es geht um Kundenbeziehungen und -betreuung, das ist unser Job und steht im Fokus unserer Bemühungen. Es passt auch gut zum Thema Digitalisierung, daran glauben wir, digitale Informationen, aber der persönliche Kontakt muss im Zentrum stehen. Es geht um persönlichen Service, wir freuen uns auch, wenn die Kunden zu uns noch direkt in die Bank kommen, das persönliche Gespräch steht im Vordergrund.

Also habt ihr beide Kunden, die ihr persönlich betreut?

Neubauer: Wir sehen uns hier als großes Team, es kommt bei den Kunden gut an, dass sich die gesamte Bank um die Anliegen kümmert, gerade in einem kleinen Haus.

Wie viele Mitarbeiter hat die Kathrein Bank?

Neubauer: Knapp 80.
Celeda: Es gibt keine Kundenzuordnung, wenn immer man glaubt, dass ein Vorstand nötig ist, wird einer gerne da sein, wir sind laufend verfügbar. Ich glaube, das ist ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Banken.

Das erinnert ich mich an den Zertifikate Award Austria, als der Gastgeber RBI-Strobl meinte, dass der Herr Celeda heute entschuldigt sei, da er einen sehr wichtigen Kundentermin habe.

Celeda: Genau so war das.

Ich bleibe noch bei den Zertifikaten: Was macht die Kathrein Bank da? Strukturieren? Emittieren ja eher nicht, nehme ich an.

Celeda: Nein, wir emittieren nicht. Zertifikate sind einfach ein Teil der Palette, wir bringen hier Expertise mit. Das gilt aber auch für den Aktienbereich, da bringen wir ja ebenso langjähriges Know-How mit. Wir werden aber weder eigenes Research im herkömmlichen Sinne machen, noch eigene Zertifikate umsetzen. Hier treten wir als Vermittler auf, wir versuchen mit dem Asset Management, insgesamt tolle Portfolios aufzustellen. Das umfasst z.B. auch Private Equity Zertifikate, so der Kunde will, sind bei uns gesetzt.

Eure Eigentümerin RBI bzw. auch die RCB, zu der ihr so liebevoll-traditionell Centrobank sagt, hatten ja früheauch Private Banking. Jetzt aber, soweit ich weiß, nichtmehr...

Celeda: Genau, im Zuge der Konzern-Umstrukturierung ist das jetzt bei uns. Als Privatbank der Gruppe sehe ich natürlich auf der Privatkunden- und auch Unternehmerseite viel Potenzial.
Neubauer: Dazu kommt die Zusammenarbeit mit den RBI-Netzwerkbanken in Zentral- und Osteuropa.

Betreut Ihr Osteuropa von Wien aus?

Celeda: Ja.

Wie verteilen sich die Assets under Management zwischen Österreich und Osteuropa?

Neubauer: Im Private Banking Bereich ist Österreich vorne, die Tendenz geht aber, angesichts des starken Wachstums, in Richtung Osteuropa.

Und wie viele Kundengelder habt Ihr Under Management?

Celeda: Das sind 5 Milliarden derzeit.

Ein Thema, das ihr von der RCB her gut kennt, ist das Gewinnen von Awards. Aber auch die Kathrein Bank hat etliche Preise gewonnen, z.B. für die Fondspalette. Ist das den Private Banking Kunden wichtig?

Celeda: Grundsätzlich ist es sehr wichtig. Anders als im Zertifikategeschäft ist es aber weniger vergleichbar, auf der Fondsseite gibt es eine große Anzahl von Awards und Kategorien, man freut sich jedenfalls über jeden einzelnen gewonnenen Preis.

Zu den Eintrittshürden, wenn man Kunde werden will: Ich habe den Betrag von 1 Mio. Euro gelesen.

Celeda: Das ist durchaus ein Betrag, den man jetzt so stehenlassen kann. Er ist aber nicht ganz so fix. Ich sage das nicht deshalb, weil wir uns verwässern wollen, es kommt immer darauf an, wie die Gesamt-Assets des Kunden aussehen. Wenn man z.B. eine komplexe Finanzierung macht und die Veranlagungsseite nebenbei geht ... In Summe sollten die gesamten Assets ausreichend sein, eine Bank hat da auch Fixkosten.
Neubauer: Es ist wichtig, mit dem Kunden etwas weiterzuentwickeln. Wenn wir sehen, das ist ein Jungunternehmer mit Potenzial, dann ist diese Hürde soft.

Nochwas habe ich gelesen: Ab 7 Mio. Euro kann man Spezialfonds machen. Wie funktioniert das?

Celeda: Das ist Asset Management in Fondsform.

Das heißt, ich könnte - so ich das Geld hätte - mit 7 Mio. Euro zu Euch kommen und sagen, ich hätte gerne einen Börse Social Network Fonds? Ihr seid ja keine KAG. Kathrein macht das Asset Management?

Celeda: Wir sind ausschließlich der Asset Manager.
Neubauer: Das ist eine maßgeschneiderte Lösung, da spricht man über Risken, Themen, Asset Klassen. Es gibt je nach Kundenwunsch verschiedene Mitsprachemöglichkeiten in den Fonds.

Und die Raiffeisen KAG setzt das dann beispielsweise auf?

Celeda: Ja, können aber auch andere KAGs sein.

Große Vermögen fragen auch Immobilien und Gold nach, ich fange mit Gold an, wir haben gerade ein Mehrjahreshoch in Dollar. Nebenan ist Schöller Münzhandel angesiedelt. Gibt es Kooperationen? Wie kann der Kunde in Edelmetalle investieren?

Neubauer: Zwei Möglichkeiten, auf der einen Seite haben wir zufällig den Schöller-Münzhandel im Haus ...
Celeda: ... Verflechtungen gibt es keine. Außer, wenn eine neue Münze kommt und die Leute stehen ab 7 Uhr früh Schlange, da kommt man nicht durch, weil das echt viele Menschen anzieht. So etwas freut mich für die Kollegen. Hier und da arbeiten wir zusammen.
Neubauer: Wir haben Safeboxen zum Selbsteinlagern, dann gibt es auch die Möglichkeiten, über Wertpapiere zu investieren. Als Beimischung ist das im Sinne einer Diversifizierung sehr wichtig.

Das bringt mich auch ein wenig in die Richtung Total Return. Große Vermögen wollen es eher relaxt und geglättet, denke ich. Ist das den Österreichern wichtiger als die Ertragsspitzen?

Celeda: Durchaus, es ist aber trotzdem sehr unterschiedlich. Es kommt auf viele Details an. Oft sind wir für einen Teil des Vermögens zuständig, da gibt es klare Benchmarks. Es ist das Interesse da, sich mit geringen Prozentsätzen und hoher Sicherheit zufrieden zu geben.

Und was könnt ihr bei Immobilien, die haben wir noch ausgelassen. Welchen Stellenwert haben Immobilien bei den Kunden?

Neubauer: Die haben einen anhaltend hohen Stellenwert.
Celeda: (lacht) Immensen Stellenwert.
Neubauer: Es fließt viel Geld in Immobilien, auch im Sinne der Diversifizierung, wir arbeiten mit namhaften Playern zusammen, sind aber selbst kein Immobilienvermittler. Wir helfen, gute Veranlagungsmodelle wie Bauherrenmodelle, Vorsorgewohnungen zu vermitteln. Wir sind unterstützender Part für den Kunden.

Also Netzwerk: Wie sieht es da mit Steuerberatern und Rechtsanwälten aus? Wo sind die Grenzen?

Celeda: Ganz klare Grenzen. Für uns steht eine gute Beziehung zum Kunden im Vordergrund. Wenn man diese gute  Beziehung hat, so stößt man automatisch irgendwann auf Steuerberater oder Rechtsanwälte. Das ist beim Vermögensaufbau noch nicht so wichtig, aber eine Stiftung hat viele Aspekte von Recht und Steuern. Bei einer Nachfolgeregelung wird es noch einmal mehr. Wir haben da gute Experten im Haus und auch extern an der Hand.
Neubauer: Das Expertennetzwerk findet sich auch auf der Homepage.

Was seht Ihr selbst jetzt nach dem halben Jahr als Zwischenfazit? Was waren die großen Trends, die Geldanlage und Private Banking begleitet haben?

Celeda: Ich fange mal mit der Makroseite an. Nie wieder Zinsen, das lernt man jetzt immer stärker, es ist ein neuer Minuszinsen-Höhepunkt sogar, wenn man das sagen kann. Griechenland zahlt auch kaum mehr Zinsen, unglaublich. Da gibt es keinen Risikoausgleich durch Kupons mehr. Das wirkt sich auf das Kundenverhalten aus. D.h. auch, dass Immobilien nicht nur Thema bleiben, sondern das auch noch stärker werden. Die Suche nach Rendite wird intensiviert werden. Wir merken auch verstärkte Nachfrage nach Private Equity. Man interessiert sich dafür. Die Digitalisierung ist, wenngleich in der Definition diffus, in aller Munde. Von der Anschaffung eines neuen Laptops bis zur Optimierung über Automatisierung. Ich sehe Digitalisierung jedoch nicht in der Beratung, sondern eher im Service. Ich sehe die digitale Beratung auch nicht als Kundenwunsch.
Neubauer: Es gibt geringe Fixed Income-Möglichkeiten, das heißt natürlich auch, dass man mehr in die Aktien geht. Da ist Private Banking eine gute Sache. An volatilen Tagen und in Abwärtsbewegungen geht es dabei vor allem um Transparenz und Informationsaustausch. Wenn man die Inflation schlagen will, geht es nur schwer ohne Aktien. Wir sehen steigende Aktienquoten bei erhöhtem Risikomanagement.

Und wenn ich sage, Equity Österreich möchte ich mir als Kunde selbst machen?

Celeda: Ja, das gibt es, man rechnet es aus dem Portfolio raus. Es gibt immer wieder Kunden, die dann mit uns Entscheidungen treffen und selbst ihre Ideen einbringen. Wenn wir das Gefühl und das Verständnis haben, dass sich ein Kunde auskennt, ist es uns natürlich lieber.
Neubauer: Die Veranlagung teilt sich bei uns in drei Säulen. Das eine ist das Beratungsgeschäft, bei dem wir über alle Asset Klassen hinweg beraten, das zweite ist das diskretionäre Portfolio Management, da entscheiden wir auf Basis gemeinsam definierter Rahmenbedingungen für unsere Kunden. Das dritte ist das Brokerage-Geschäft, da kann man über unsere Bank kaufen, aber Selbstentscheider sein. Das kann man kombinieren, das tun viele.

Wie funktioniert die Ordererteilung in der Brokerage?

Neubauer: Noch nicht online, direkt beim Berater, ab 2020 kommt ein Kathrein Online Broker ins Spiel. Anrufe haben den Vorteil, dass es ja nicht nur um die Order geht, sondern auch das Gespräch rundherum.

Sind die meisten Depots in Euro geführt?

Neubauer: Ja, mehrheitlich Euro, dann Dollar, alles andere verschwindet. Auch der CHF ist nur noch in vernachlässigbarem Volumen.
Celeda: Abgesehen von der Veranlagung wollen wir uns noch stärker als Spezialist für Finanzierung für vermögende Kunden in den Vordergrund stellen. Und dies wollen wir abhängig von der Lebensphase tun; da kann es um Immobilien, aber auch um komplexere Dinge gehen. Wir schauen uns an, wie es mit Kunstsammlungen oder auch Weinkellern aussieht. Man kann mit allem zu uns kommen.

Ihr habt Stiftungsexpertise und speziellen Unternehmer-Fokus. Hängt das mit der RBI zusammen?

Celeda: Mit und ohne Raiffeisen ist das bei uns alles ein wenig aus dem Stiftungs- und Family Office-Bereich kommend, da stehen oft Privatkunden dahinter. Hier gibt es auch Unternehmenskonstruktionen, wo Teile in anderen Destinationen liegen. Und dann kommt noch das große Thema der Nachfolge, das kommt ebenso aus der Ecke Stiftungen, oder auch M&A bis hin potenziell zu einem Börsengang, also wieder relativ nahe an unserem früheren Geschäft.
Neubauer: Nach M&A-Transaktionen übernehmen wir oft die Veranlagung, so schließt sich der Kreis.

Damit sich für mich der Kreis schließt, noch die obligatorische Frage zur Wiener Börse...

Celeda: Wir haben eine hohe Veranlagungsquote. Ich bin nach wie vor Aufsichtsrat der Wiener Börse und werde das auch bleiben. Zudem geben wir unsere Expertise zu österreichischen Aktien gerne auch weiter. Im Umfeld passt das sehr gut. Wir sprechen mit Kunden, die dementsprechendes Wissen über Aktien haben.

Kann man da höhere Aktienquote als bei anderen Privatbanken raushören?

Celeda: Das nicht, das möchte ich nicht sagen, weil ja die Vergleichbarkeit nicht gegeben ist, es kommt auf die Mandate an. Freilich sind Aktienmandate für uns interessant. Ich meinte es generell, der Private Banking Kunde hat sicher eine im Vergleich höhere Aktienquote. Und im Vergleich zum MSCI haben wir sicher eine höhere Aktienquote in Österreich.

Welche Austro-Aktien gefallen den Kunden?

Celeda: Das ist ganz unterschiedlich, wie man es eh kennt. Von der OMV, EVN zum Flughafen Wien, einfach alles. Es gibt nicht den Schwerpunkt.

Und wenn ich Research will, so treibt Ihr das aus dem Netzwerk auf?

Celeda: Richtig.

Abschließend noch ein paar Worte zur Zukunft bitte ...

Celeda: Grundsätzlich haben wir eine sehr klar definierte Wachstumsstrategie als die Privatbank in der RBI-Gruppe. Auch in Österreich, wo wir derzeit sehr stark als Spezialist für das Asset Management von Stiftungen auftreten. Da sind wir stolz darauf. Wir werden aber noch stärker kommunizieren, dass wir die Kunden in allen Lebensphasen in ihren Veranlagungsfragen unterstützen können.