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Bitcoin auf dem Weg zum legalen Zahlungsmittel - oder doch nicht?

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Am 7. September 2021 hat der mittelamerikanische Staat El Salvador den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel eingeführt – zusätzlich zur Landeswährung, die seit 2001 der US-Dollar ist. Ist dies der Beginn des Aufstiegs von Bitcoins als anerkanntem Zahlungsmittel oder nur eine Fußnote in der Geschichte der Geldpolitik?

Was bedeutet dieser Schritt für die 6,5 Millionen Einwohner dieses Landes? Begründet wird die Einführung des Bitcoin von Präsident Bukele, der ehemals Generalimporteur von Yamaha in El Salvador war, u.a. mit der Kostensenkung für die Heimüberweisungen von im Ausland lebenden Salvadorianern. Diese machen immerhin fast ein Viertel des BIP aus. Bitcoin-Enthusiasten hoffen auf weitere Entwicklungs- und Schwellenländer, die nachziehen. Geringe Transaktionskosten und Zugang zu digitalen Zahlungsmitteln, für Menschen, die sich kein Konto leisten können oder keines bekommen, werden von Befürwortern ins Treffen geführt.

Damit wäre die Aufzählung der positiven Faktoren auch schon wieder am Ende.  Denn das Experiment zeigt deutlich die Herausforderungen, die Bitcoin und andere Kryptowährungen als Zahlungsmittel verursachen: man braucht eine App, die funktioniert, eine Bevölkerung, die versteht, worauf sie sich einlässt und, über allem, wie geht man mit der Volatilität um? Zahlt man in diesem Jahr angenommen 1000 US-Dollar Steuern in Bitcoin, könnte man sich nächstes Jahr um diesen Betrag vielleicht eine Hazienda am Pazifik kaufen – oder nur mehr eine Pupusa, das Nationalgericht El Salvadors, an der nächsten Straßenecke. Wenn Steuern zahlen zum Casino wird, macht es noch weniger Spaß. Auch für den Staat, der, sollten die Steuern tatsächlich in Bitcoin gezahlt werden, seine Ausgaben trotzdem mit US-Dollars bestreiten muss und damit ebenfalls dieser Volatilität ausgesetzt ist.

Die wenigsten El Salvadorianer verstehen zudem, wie Bitcoin funktioniert. Umfragen zufolge sind es nur 5 %, die mit dem digitalen Asset etwas anfangen können und die Mehrheit war gegen die Einführung. Händler sind an sich gezwungen, die digitale Währung zu akzeptieren. Manche weigern sich, andere würden nach Erhalt einer Zahlung in Bitcoin diese sofort in US-Dollar konvertieren. Die App Chivo, ein digitales Wallet, das allen Staatsbürgern nun zur Verfügung steht, beinhaltet 30 $ in Bitcoin, für alle, die es downloaden. Bezeichnenderweise versagte die App bereits wenige Stunden nach dem Launch ihren Dienst. Vermutlich war das für die Mehrheit der El Salvadorianer egal, der Bitcoin aber brach am 7. September deutlich ein von über 44.000 US-Dollar auf unter 39.600 US-Dollar.