Vermögen sorgsam vermehren

Austrian Business Woman - November 2018

Mag. PhDr. Susanne Höllinger im Interview

Sie ist seit 1990 in der Finanzbranche tätig und hat ihre Marktkenntnisse und Managementerfahrungen durch verschiedene Führungspositionen im Wertpapierbereich aufgebaut. Seit Jänner 2013 ist sie Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank AG. Ein ABW-Gespräch über Kundenwünsche, Robo-Advisors und die Notwendigkeit von guten Beratern.

Wie verlief das Geschäftsjahr 2018 bisher - sind Sie zufrieden?

Die Highlights 2018 sind die erneute Erkenntnis, dass wir in einem extrem schwierigen Branchenumfeld (Banken) mit sehr kundenorientiertem Arbeiten und Mitarbeitern mit höchstem Know-how gut über die Runden kommen kann. Das macht mich sehr zufrieden für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter.

Gab es 2018 bei der Kathrein Privatbank besondere Schwerpunkte?

Weiterentwicklung unserer Asset Allocation Modelle und Ausbau der nachhaltigen Investmentpalette. Ebenso wichtig ist das Thema Digitalisierung. Mit dem Portfolioinformationssystem Tipas und dem Zahlungsverkehrsmodul ELBA haben Kathrein-Kunden bereits jetzt ein umfangreiches Angebot an elektronischen Bankdienstleistungen zur Verfügung. Derzeit arbeiten wir an der Implementierung einer neuen auf die besonderen Bedürfnisse von Privatbankkunden zugeschnittenen Version einer eigenen Kathrein-App, diese wird Zahlungsverkehrsfunktionalitäten und Portfolioanalysefunktionen sowohl im Browser als auch in einer mobilen Version anbieten und soll im vierten Halbjahr 2018 verfügbar sein.

Was ist für 2019 geplant?

Neben unseren Business-Zielen, die uns unser Aufsichtsrat setzt ist es mir besonders wichtig unseren Kunden weiterhin einen Platz zur Verfügung zu stellen, wo Sie das bekommen, was sie sich von einer Privatbank in wichtigen Fragen erwarten. Einen Ort, wo genau zugehört wird, der Bedarf der Kunden analysiert wird, mit unserem Know-How Vorschläge und Empfehlungen abgegeben werden und genügend Raum und Zeit für Kommunikation miteinander ist. Wo sich jemand auch nach dem Geschäftsabschluss laufend kümmert. Wir wollen als Bank ertragreich sein, denn eine ertragreiche Bank ist ein attraktiver Partner in Finanzangelegenheiten. Dabei müssen Ertrag und Leistung in transparentem und gutem Einklang stehen. So simpel das klingt, dieser Bedarf wird für Kunden nicht überall gedeckt. Ein weiteres Ziel ist es, zyklische Anleger und Anlegerinnen wieder davon zu überzeugen strategische und langfristige Entscheidungen zu treffen. Das heißt, das Vermögen auch langfristig zumindest zu erhalten, wenn nicht zu vermehren. Was in diesem Zins- und Inflationsumfeld nicht ganz einfach ist. Dazu gehört auch, dass Investitionen in Unternehmen (Aktienkäufe) nicht als ,,Spekulation" gesehen werden, sondern als echte Anlagealternative mit einem langfristigen Horizont. Wichtig dafür ist eine konsequente und qualitativ hochwertige Hausmeinung, die in der Kathrein Privatbank oberste Priorität hat, um den hohen Ansprüchen unserer Kunden in jeder Weise gerecht zu werden. Neben den Strategie-, Vertriebs- und Investmentzielen haben wir natürlich jede Menge an Herausforderungen auf der regulatorischen Seite, wobei uns als Privatbank MIFID II (neue Regulatoren im Veranlagungsgeschäft mit Kunden) natürlich auch beschäftigt. MIFID II ist jedoch eine tolle Chance strategisch einige Meilensteine für unsere Bank zu setzen.

Sind mehr Frauen oder Männer Kunden der Kathrein Privatbank?

Der Frauenanteil steigt zunehmend. Während in der Vergangenheit oft gemeinsame Depots von Ehepartnern eröffnet wurden, investieren immer mehr Frauen selbständig auf ihren eigenen Depots. Mehr Frauen haben eine gute Ausbildung und gut bezahlte Jobs, haben somit mehr finanziellen Spielraum und kümmern sich um ihre eigene (Pensions)vorsorge und finanzielle Absicherung. Sie nehmen Finanzplanung und Altersvorsorge zielstrebig und gut organisiert selbst in die Hand. Frauen sind auf den Listen der weltweit reichsten Personen allerdings immer noch in der Minderheit, aber die Tendenz ist steigend. Im Jahr 2018 standen 2.207 Personen auf der Forbes-Liste der weltweiten Milliardäre. Davon waren 242 Frauen, also knapp 11 Prozent. Diese Frauen verfügten insgesamt über ein Vermögen von 941 Mrd. US-Dollar.

Computersysteme beeinflussen zunehmend die Auswahl von Finanzprodukten, immer mehr Robo-Advisors und automatische Handelssysteme bieten spezielle Konzepte - was halten Sie davon?

Die von Kathrein bereits angebotenen digitalen Dienstleistungen reichen derzeit vom Online Zahlungsverkehr über die Portfolioanalyse bis zum Realtime Status SMS in dem Kunden über den Status ihrer Order an der Börse informiert werden. Kathrein wird sich auch in Zukunft daran orientieren seine Kernkompetenzen durch digitale Dienstleistungen zum Nutzen der Kunden zu verstärken und auszubauen. Dabei setzten wir verstärkt auf die Unterstützung des Beratungsprozesses und weitere Verbesserungen im Ordermanagementprozess. MiFID II nützten wir für den nächsten technologischen Schritt. Dennoch lebt Private Banking von der intensiven persönlichen Auseinandersetzung und vor allem vom Vertrauen. Da vermögende Kunden in der Regel im Private Banking Vermögensverwaltungs- oder Vermögensberatungsverträge haben, wird ein online Transaktionsservice am Depot der Privatbank bei uns selten nachgefragt. Da die Beratung inkludiert ist, ist es ein Mehrwert für den Kunden vor einer Transaktion mit dem Private Banker zu sprechen und diese Transaktion gleich bei ihm in Auftrag zu geben. Dies entbindet den Kunden vom Transaktionsrisiko durch eine mögliche Fehleingabe, dass er sonst selbst tragen müsste und bietet einen Re-Check über die eigene Marktmeinung. In der Vermögensverwaltung übergibt der Kunde das Timing und die Entscheidung über die Transaktion im Rahmen seiner Vorgaben an den Vermögensverwalter. Die durchgeführten Transaktionen sind jederzeit online im Reporting nachvollziehbar. Die Zukunft für vermögende Kunden liegt unserer Meinung nach in einem guten digitalisiertem Prozess der Strukturierung wo der Kunden selbst via App seine Veranlagung analysieren und Veränderungen simulieren kann aber dann zur remote Beratung greift, um einen Expertencheck zur eigenen Meinung zu bekommen. Die Transaktion selbst kann dann entweder von der Bank oder vom Kunden vorgenommen werden. Wir sehen Fintechs oder Robo-Advisors nicht als Konkurrenz sondern in Teilbereich als sinnvolle Ergänzung. Ab einer gewissen Komplexität des Veranlagungsbedarfs, ist der persönliche Kontakt immer noch ein sehr wichtiger Aspekt. Als Anleger will man seinen Berater kennen, spüren, wissen wie er ,,tickt" und sich nicht auf eine Maschine verlassen und die individuelle Expertise nutzen.

Stichwort ,,Kryptowährungen": Wird es diesbezüglich noch den breiten Durchbruch geben?

Die digitale Währung Bitcoin ist in aller Munde, aber daneben gibt es noch einige hundert Kryptowährungen. Die Technologie hinter den Bitcoins, die sogenannte Blockchain Methodik, ist sehr innovative und wird sich in diversen Anwendung behaupten. Kryptowährungen stellen für uns derzeit keine Anlagewährung dar. Der kometenhafte Kursanstieg war unserer Meinung nach fundamental nicht gerechtfertigt wie die letzten Kursabstürze gezeigt haben. Wer braucht eine Währung die diesen enormen Schwankungen unterworfen ist? Die große Anziehungskraft für die breite Masse wird schnell verschwinden sobald die Kurse wieder sinken. Dabei sind massive Verluste nicht ausgeschlossen.