Private Banking: Tradition trifft moderne Technik

GEWINN - Ausgabe: April 2018

Selbst im Geschäft mit den gehobenen Kunden führt kein Weg an digitalen und Online-Angeboten vorbei, wie die aktuelle GEWINN-Übersicht zeigt.
Leicht hat man es derzeit im Private Banking nicht. Gerade bei den gehobenen Geldgeschäften steht Tradition und Diskretion besonders hoch im Kurs. Auch der persönliche Kontakt darf deshalb nicht fehlen, wie die Privatbanker stets betonen. Und dennoch können auch sie sich dem digitalen Wandel nicht entziehen, weshalb zunehmend moderne Technologien im Private-Banking-Business eingesetzt werden. Allerdings in sehr unterschiedlichem Umfang, wie der aktuelle Vergleich im GEWINN zeigt.

Online-Banking

Bei der Erste Bank und dem Bankhaus Krentschker regiert das Online-Banking ,,George". Hier können Kunden unter anderem Grundlegendes wie den Zahlungsverkehr erledigen oder Wertpapiere handeln. Auch beim Bankhaus Spängler kann man den normalen Zahlungsverkehr online erledigen und bei seinem Wertpapierdepot urgieren. Die Schoellerbank hat ihrem Online-Banking jüngst sogar ein Upgrade im Bereich des Zahlungsverkehrs verpasst, inzwischen kann mittels QR-Code gescannt werden. Bei der UniCredit Bank Austria verweist man zudem auf die Fotoüberweisung: Rechnungen und Zahlscheine werden mit dem Smartphone fotografiert, den Rest erledigen Algorithmen. Die Bank Gutmann hat derzeit noch kein Angebot, die Wiener Privatbank nur ein eingeschränktes. Es gibt lediglich einen eigenen Konto- bzw. Depot-Online-Zugang zur Einsicht. Auch bei der Semper Constantia kann man sich nur die Vermögensinformation ansehen. Aufgrund der nahenden Fusion mit der Liechtensteinischen Landesbank Österreich (LLB) wurden beide Angebote in einer Zeile angeführt.

Videoberatung spärlich

Bei der Online-Beratung, etwa mittels Videoberatung, ist das Angebot äußerst dünn gesät beziehungsweise ist es in manchen Häusern gar nicht erwünscht: Beim Bankhaus Spängler sowie der Erste Bank und der UniCredit Bank Austria können in den Filialen Experten mittels Videoberatung herangezogen werden. Die Bank Austria bietet Videoberatung zudem für gehörlose Kunden an. Zumindest ein Konto mittels Videoidentifizierung eröffnen kann man bei der LLB Österreich. Künftigen Kunden der Semper Constantia dürfte dies ebenfalls voraussichtlich ab dem zweiten Quartal 2019 zur Verfügung stehen. Dann sollten die Systeme laut Unternehmen fusioniert sein. Ähnlich das Angebot der Wiener Privatbank. Hier ist eine Videolegitimierung für ausländische Kunden bei der Konto und der Depoteröffnung möglich. Ebenso dünn bestückt ist das Angebot an einer Online-Vermögensverwaltung.

Online-Vermögensverwaltung

Eine Online-Vermögensverwaltung bietet etwa die Deutsche Bank mit ,,Robin", dem Robo Advisor, an. Ab 5.000 Euro ist man dabei und kann sein Geld vollautomatisiert mittels börsennotierten Indexfonds (ETFs) anlegen lassen. Die Aufteilung erfolgt je nach Risikoneigung. Seit Februar 2018 wird das auch vom Bankhaus Spängler angeboten, allerdings ab 30.000 Euro. Immerhin könnte das Angebot in den kommenden Jahren wachsen. Denn sowohl bei der Kathrein Privatbank als auch bei der Raiffeisenlandesbank NÖ/Wien gibt es bereits Bestrebungen, künftig eine digitale Vermögensverwaltung anzubieten. Zumindest beim digitalen Reporting, also der digitalen Aufbereitung der Vermögensübersichten beziehungsweise -entwicklung, warten die meisten Häuser mit einer Menge an Angeboten auf: Bei der Bank Gutmann kann man das digitale Reporting sehr detailliert personalisieren und auch Spesen sowie Steuern berücksichtigen. Ein interaktives Angebot haben auch das Bankhaus Spängler sowie Private-Banking- Kunden der Erste Bank. Hier kann zum Beispiel der Berichtszeitraum frei gewählt, und Detailauswertungen können abgerufen werden.
Bei der Kathrein Privatbank wird mittels des Online-Informationssystems Tipas ein digitales Kunden-Reporting erstellt. Darin sieht man alle Transaktionen und Kontobewegungen sowie die Vermögensstruktur und Wertpapierperformance. Währenddessen hat die LGT Bank Österreich anhand einer neuen Online-Banking-Lösung die Funktionen verfeinert: So sehen Kunden unter anderem den Performancebeitrag, und zwar aufgegliedert auf die einzelnen Anlageklassen. Das Online und Mobile Banking der LLB bieten ebenfalls detaillierte Depot- und Kontoinformationen mit umfassenden Verwaltungs- und Transaktionsmöglichkeiten. Bei der Privat Bank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich gibt es ein neues Finanzportal ,,Mein ELBA". Dadurch ist eine Übersicht über die Entwicklung von Wertpapierdepots durch zahlreiche unterschiedliche Auswertungen und Darstellungsformen, etwa anhand einer Ertragsmatrix, möglich. Die Schoellerbank möchte zusätzlich zum aktuellen digitalen Reporting noch im ersten Halbjahr ein interaktives Reporting lancieren. Einzig beim Bankhaus Schelhammer & Schattera sowie bei der Oberbank und beim Bankhaus Krentschker gibt es jeweils ein ,,Nein" in Bezug auf digitales Reporting.

Private-Banking-App

Auch bei Apps für Smartphones haben inzwischen fast alle Banken ein entsprechendes Angebot: Das Bankhaus Spängler sowie die Hypo Vorarlberg bieten unter anderem die TresorTan- App an. Ähnlich wie bei herkömmlichen mobileTan kann man Zahlungsaufträge zeichnen beziehungsweise freigeben. Das Zeichnungsverfahren mittels TresorTan unterliegt allerdings höheren Sicherheitskriterien, heißt es beim Bankhaus Spängler. Die Deutsche Bank hat gleich mehrere Apps, mit der PhotoTan-App kann man mittels Einscannens eines Barcodes eine Überweisung freigeben. Und besonders reisefreudigen Kunden bietet wiederum die Erste Bank die Wechselstube-App an, mit der Fremdwährungen vorbestellt und in der Wunschfiliale abgeholt werden können. Mit der LGT-SmartBanking- App können Kunden unter anderem auf das LGT Research zugreifen. Das ermöglicht auch die App der Schoellerbank. Mit der ,,ZOIN"-Funktion kann man bei der Privat Bank und Bank Austria etwa Geld von Smartphone zu Smartphone in Echtzeit durch Eingabe der Mobilfunknummer versenden. Und mit der ,,Schnell-mehr-Geld"-Funktion in der Mobilen-Geldbörse-App der Bank Austria können Kunden - bei entsprechender Bonität - das Limit an Bankomatkassen erhöhen.