Objektivität schlägt Emotion

Geld Magazin - Ausgabe 07/2017

Quantitative Investments und methodisches Vorgehen bereiten die Basis zum richtigen Anlagemix, weiß Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank Aktiengesellschaft. Außerdem verrät sie die Geschäftsstrategie ihres Hauses im Zeitalter von Internet, E-Banking & Co.

GELD: An den Börsen konnten Anleger seit der weltweiten Finanzkrise viel Geld verdienen. Wie lange kann die Hausse noch anhalten?

SUSANNE HÖLLINGER: Die Aktienhausse ist nun schon im achten Jahr. Rund 85 Prozent der Aktienmärkte im MSCI All Country World Index sind über dem 200-Tage-Moving-Average. Die Wirtschaftsaussichten haben sich zuletzt deutlich verbessert, weshalb auch die Gewinnerwartungen der börsennotierten Gesellschaften in Summe gestiegen sind. Diese gesteigerten Erwartungen bergen auch das Risiko von Gewinnenttäuschungen und Kursrückgängen. Eine technische Korrektur von fünf bis zehn Prozent wäre die Folge. Die Experten der Kathrein Privatbank setzen im Aktienmanagement auf unterschiedliche Strategien. Neben dem Kursmomentum werden auch fundamentale Bewertungsfaktoren - wie z.B. Preis/Buchwert, Cashflow oder Gewinnwachstum - und Änderungen in den Analystenschätzungen bei der Titelauswahl herangezogen.

Welchen Anlagemix empfehlen Sie?

Wir folgen bei Veranlagungsentscheidungen einem klar definierten methodischen Ansatz - dem Quantitativen Investmentstil. Ziel ist es, Möglichkeiten für eine Performance-Verbesserung zu identifizieren und objektive ökonomische Kriterien für Investitionsentscheidungen zu entwickeln. Die ,,Objektivierung" von Investitionen unterscheidet den Quantitativen Investmentstil von anderen, oft in hohem Maße intuitiven Methoden. Da sich Kapitalmärkte manchmal in sehr kurzen Intervallen ändern, werden die entwickelten Modelle laufend kontrolliert und adaptiert. Dadurch kann flexibel und schnell auf neue Marktsituationen reagiert werden.

Gibt es auch Assets, von denen Sie abraten?

Es kommt bei der Veranlagung in erster Linie auf den richtigen Mix an, daher haben wir keine Liste von Assets, in die wir nicht investieren. Wir meiden komplex strukturierte Produkte. Nicht gewichtet sind wir in: Mortgage Baked Securities, Collateralized Debt Obligation, CoCos oder Senior Loans. Auch wird auf eine hohe Liquidität des Instruments großer Wert gelegt.

Experten rechnen mit vorsichtig steigenden Zinsen. Wie sollten Anleger reagieren?

Die leicht anziehende Inflation bedeutet, dass Sparer in Europa real Geld verlieren, wenn die Inflationsrate die Zinsen ,,auffrisst". Kreditnehmer hingegen können sich freuen, Sie können Geld aufnehmen, das real - nach Abzug der Inflation - weniger wird. Sparer werden das Geld nicht mehr sparen, sondern investieren oder konsumieren, was ja das Ziel der EZB ist, da so die Konjunktur angekurbelt wird. Die Kreditnehmer wie Konsumenten und Unternehmer werden motiviert, neue Investitionsprojekte anzugehen. Beide Situationen sind langfristig bei negativen Zinsen nicht gesund für eine Volkswirtschaft und führen zu Verwerfungen. Stichworte: Immobilienblase und unwirtschaftliche Projekte, die sich gerade noch im Vergleich zu einer negativen Verzinsung am Konto rechnen. Wir setzen bei unserer Strategie zum Vermö- gensschutz auf ein breit diversifiziertes Portfolio mit dynamischer Aktiengewichtung inklusive Rohstoffen und einer aktiven Laufzeitensteuerung im Anleihenbereich sowie Inflation Linked Bonds. Gold wird als Baustein des Gesamtvermögens von sehr vielen Kunden genutzt, entweder als Goldkonto oder physisch. Die aktuelle Ertragserwartung in unserer Asset Allokation mit 25 Prozent Aktien ist rund zwei Prozent.

E-Banking und das Internet ordnen die Bankenlandschaft neu. Wie reagiert die Kathrein?

Die von Kathrein bereits angebotenen digitalen Dienstleistungen reichen derzeit vom Online-Zahlungsverkehr über die Portfolio-analyse bis zum Realtime Status SMS, bei dem Kunden über den Status ihrer Order an der Börse informiert werden. Kathrein wird sich auch in Zukunft daran orientieren, die Kernkompetenzen durch digitale Dienstleistungen zum Nutzen der Kunden zu verstärken und auszubauen. Dabei werden wir als Nächstes verstärkt auf die Unterstützung des Beratungsprozesses und um weitere Verbesserungen im Ordermanagementprozess setzen. Eine Kooperation mit dem einen oder anderen Fintech, das interessante ergänzende Anwendungen anbietet, ist dabei ebenso geplant. Insgesamt wird die fortschreitende Digitalisierung unser Geschäftsmodell sinnvoll ergänzen, in manchen Bereichen auch wesentlich verändern. Dennoch lebt Private Banking von der intensiven persönlichen Auseinandersetzung und vor allem vom Vertrauen. Da vermögende Kunden in der Regel im Private Banking Vermögensverwaltungs- oder Vermögensberatungsverträge haben, wird ein Online-Transaktionsservice am Depot der Privatbank bei uns selten nachgefragt. Da die Beratung inkludiert ist, ist es ein Mehrwert für den Kunden, vor einer Transaktion mit dem Private Banker zu sprechen und diese gleich bei ihm in Auftrag zu geben. Dies entbindet den Kunden vom Transaktionsrisiko durch eine mögliche Fehleingabe, das er sonst selbst tragen müsste, und bietet einen Re-Check über die eigene Marktmeinung. In der Vermögensverwaltung übergibt der Kunde das Timing und die Entscheidung über die Transaktion im Rahmen seiner Vorgaben an den Vermögensverwalter. Die durchgeführten Transaktionen sind jederzeit online im Reporting nachvollziehbar.

Welche Produkte und Serviceleistungen werden von Ihren Kunden am stärksten nachgefragt?

Die Tendenz geht klar zur Vermögensverwaltung, man will wieder, dass Spezialisten Verantwortung übernehmen. Sehr viel liquides Geld auf mit null verzinsten Konten wird wieder investiert! Am stärksten wird unser breit diversifizierter Asset Allokation Fonds Mandatum 25 mit einer durchschnittlichen Aktienquote von 25 Prozent nachgefragt. Dieser Fonds hat ein sehr gut ausgewogenes Return/Risikoprofil und wurde bei den Dachfondsawards mit dem 1. Platz in der Kategorie ,,Anleihenorientiert - dynamisch" ausgezeichnet. In einem unsicheren Umfeld ist Diversifikation die beste Strategie. Auch Total Return-Konzepte sind wieder gefragt. Der Kathrein Dynamic Asset Allocation Fund ist ein Total Return Fonds mit dem Ziel, unabhängig von der gegenwärtigen Marktphase einen absoluten Ertrag zu erzielen. In diesem Fonds wird die völlig flexible Aktienquote (0-100%) von einem quantitativen Modell bestimmt. Der Algorithmus untersucht unterschiedliche Anlageklassen in Ländern und Sektoren auf Trends, die es dem Investor ermöglichen, von aktuellen Markttrends zu profitieren. Die Umsetzung selbst erfolgt effizient mittels Exchange Traded Funds (ETFs). In diesen volatilen und unsicheren Markphasen können wir all unser Know-how für unsere Kunden einsetzen. Der Kathrein Global Enterprise investiert weltweit in Value-Titel und verfolgt einen Minimum Varianz-Ansatz. Der Pfandbrief plus investiert in Pfandbriefe mit kurzen Laufzeiten und erwirtschaftet einen Zusatzertrag mit einer Overlay-Strategie. SRI-Fonds, die nach ethischen Kriterien investieren, bietet unser Tochterunternehmen Kathrein Capital Management im Aktien- mit dem KCM Global SRI und im Unternehmensanleihen-Segment mit dem KCM SRI Bond Select an.

Kathrein räumt bei wichtigen Auszeichnungen mit schöner Regelmäßigkeit Spitzenplatzierungen ab. Wie wichtig sind solche Preise?

Eine Award ist ein Qualitätsnachweis für die erbrachte Leistung und freut die Fondsmanager und die Gesellschaften gleichermaßen. Für bestehende Kunden ist es eine Bestätigung ihrer Entscheidung, mit uns zusammenzuarbeiten, und für potenzielle Kunden ein Kriterium, das in den Auswahlprozess mit einfließt. Speziell der Dachfonds Award setzt hier Jahr für Jahr einen Qualitätsstandard.