Keine Angst vor dem Inflationsgespenst

[1615831559829162.jpg]
Wie in unserem dieswöchigen Börsenkommentar Monday Markets Mail #KW 9 | Kathrein - Marktinfo beschrieben, haben die Sorgen vor einem starken Anstieg der Inflation zuletzt zu erhöhter Unsicherheit an den internationalen Finanzmärkten geführt. Sind diese Sorgen begründet? Und wie begegnen die Kathrein Investment-ExpertInnen diesen Herausforderungen?

Ist die Sorge vor Inflation begründet?

So einfach diese Frage auch klingen mag, so komplex ist ihre Beantwortung. Grundsätzlich können wir Sie mit einem „Nein“ beruhigen und möchten Ihnen auch die Gründe für diese Einschätzung darlegen. Dafür bedarf es einer kurzen Einführung in das derzeitige makroökonomische Umfeld. Die wichtigsten Zentralbanken Fed (USA) und EZB (Europa) verfolgen das Ziel einer stabilen Inflationsrate von etwa 2 % p.a. Ein zwischenzeitliches Überschießen dieses Zieles der Zentralbanken scheint aktuell zwar wahrscheinlich, sollte aber nicht zu nennenswerten volkswirtschaftlichen Auswirkungen führen. Dem eingehend erwähnten „Nein“ liegt jedoch eine Prämisse zugrunde: ein Widerspiegeln der
wirtschaftlichen Realität an den Finanzmärkten. Sollte es nämlich zu einem rasanten, plötzlichen Anstieg, der Inflation kommen, könnten sich Verwerfungen am Kapitalmarkt ergeben, da die Inflation die Bewertungen von Aktien und insbesondere Anleihen beeinflusst. Dies leitet uns zur eigentlichen, viel relevanteren Frage über:

Ist die Sorge vor einem schnellen Anstieg im Jahr 2021 begründet?

Auch hier sagen wir wieder „Nein“ (inkl. Prämisse) und belegen dies mit einem Exkurs in die Welt der Statistiken. Die Corona-Pandemie und ihre Lockdowns scheinen kurzfristige Anstiege der Inflation 2021 auf über 2 % zu ermöglichen. Das allein ist aber noch nicht die gesamte Wahrheit: In wirtschaftlich unsicheren Zeiten tendieren wir dazu, unsere Sparquote zu erhöhen. Mit einem Voranschreiten der konjunkturellen Erholung und den Unterstützungsprogrammen der Regierungen geben wir auch wieder mehr Geld aus, die Nachfrage erhöht sich, Geld kommt in den Wirtschaftskreislauf, dies alles sind preistreibende Faktoren. Hinzu kommt eine Erholung der Energiepreise, welche zu den ersten Opfern weltweiter Lockdowns zählten. Ein hoher Ölpreis wirkt ebenfalls inflationserhöhend. Diese Entwicklungen bedeuten aus unserer Sicht vor allem eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Zur Erinnerung, während der Krise war die Inflation im Euroraum teilweise negativ! Aus diesem Grund scheint der schrittweise Anstieg der Inflation nicht nur wahrscheinlich, sondern auch angemessen. Wir sehen aktuell keinen Grund, warum diese Normalisierung ungewöhnlich schnell verlaufen und somit zu starken Verwerfungen auf den Finanzmärkten führen sollte.
Die Ad Hoc Mitteilung in voller Länge finden Sie im Bereich der Downloads.