Goldene Zukunft

assets - Das Wirtschaftsmagazin - 2/2019

Warum Privatbanken noch schneller wachsen werden.

Während Kunden anderswo mit digitalen Tools zur Selbsthilfe animiert werden, setzen Privatbanken auf persönliche Beratung - und überzeugen damit auch junge Kunden.
Beim traditionellen Private- Banking-Round-Table von assets trafen sich diesmal besonders zuversichtliche Entscheidungsträger. Ihr Credo: Auf private Wealth-Manager warten viele Chancen. Aber wie werden sie ergriffen?

Wieso ziehen sich Universalbanken aus dem Privatbanking-Bereich zurück?

WILHELM CELEDA: Als Kathrein Privatbank sind wir in einen großen Konzern eingebunden. Das gibt uns Sicherheit. Aber die Universalbanken können sich den Aufwand einer Privatbank nicht leisten. Das hat mit Größe zu tun: Bei einer Universalbank ist jede Neuerung, jede Änderung mit ungleich höherem Aufwand verbunden als in einer kleinen Privatbank. Das ist ein Grund für unser Wachstum, das zuletzt zwischen fünf und sechs Prozent per anno lag.

Junge Leute wollen sich vielleicht gar nicht die Zeit für Beratung nehmen. Die setzen lieber auf digitalisierte Angebote und Kommunikationskanäle.

CELEDA: Digitale Angebote muss man heutzutage haben. Aber: Digitalisierung reduziert die Beratungsintensität kein bisschen. Ja, man braucht Zahlungs- und Order-Tools und Reporting online. Und vielleicht eine virtuelle Simulation der Auswirkungen von Veränderungen im Portfolio. Wir haben dieses Angebot. Unsere Zahlungs-App verwenden trotzdem nur 20 Prozent der Kunden.

Jetzt ist das Service eine App und viel einfacher geworden. Trotzdem schicken manche Kunden ihre Zahlungsaufträge noch per Fax – die wollen wir nicht bevormunden und sie zur Digitalisierung zwingen. Aber auch die Nutzer der digitalen Angebote kommen auf uns zu, weil sie jetzt deutlich spüren, dass sie mit dem klassischen Sparbuch Geld verlieren. Sie wollen von uns über Alternativen beraten werden.

Immer mehr Frauen erobern Spitzenjobs und bauen Vermögen auf. Wie sprechen Sie diese Zielgruppe an?

CELEDA: Eigene Angebote für Frauen fände ich sogar diskriminierend. Wo ist der Unterschied in der Veranlagung?

Weil Frauen strenger auf Ethik achten?

CELEDA: Unsere Asset Managements sind nachhaltig. Das Angebot können Männer oder Frauen in Anspruch nehmen. Ich merke keinen Unterschied in der Präferenz für das Thema.

Wie überzeugen Sie die Generation Start-up? Ihre Gründung wurde von der Hausbank unterstützt - kommen die nach einem erfolgreichen Exit zu Ihnen?

CELEDA: Start-up-Gründer bleiben sehr stark in der Szene, ein paar 100.000 Euro werden auf Sparbücher gelegt. Zu uns kommen sie nicht wegen der Veranlagung, sondern wegen der Beratung: Wie sollen sie ihre Firmen strukturieren, welche Rechtsformen sind geeignet etc.

Das ist eine Fülle von Aufgaben für Privatbanken. In der Schweiz scheitern viele kleine Häuser daran, sie haben nicht die Mittel, auch noch junge Leute anzusprechen.

CELEDA: Deshalb lagern Universalbanken das Privatbankengeschäft an Spezialisten wie uns aus. Wir werden durch Digitalisierung und Straffung interner Abläufe effizienter. Uns hilft, dass wir auch in benachbarten Ländern Kunden gewinnen. Der regulatorische Mehraufwand bereitet mir wenig Sorge. Im CEERaum gibt es andere Motivationen, um ein Konto in Österreich zu führen. Zudem ist dort mehr Wachstum zu spüren.

Die Abgrenzung ist in Universalbanken nicht so klar wie bei uns. Man definiert ein Premium-Segment mit sehr standardisierten Veranlagungsangeboten, aber individuelle Angebote gibt es kaum noch. Private Banking lohnt sich für Universalbanken nur, wenn sie eine kritische Größe überschritten haben, wie einzelne Fälle in der Schweiz zeigen.

Gelingt es Ihnen, Kunden vom Sparbuch wegzubringen?

CELEDA: Ich war nie Fan von Anleihen. Im Augenblick ist das Risiko in der Anleihenwelt höher als in der Aktienwelt. Aber es heißt immer noch: Aktien sind riskant. Mir kann niemand erklären, dass ein zehnjähriges Griechenland-Risiko mit 1,5 Prozent richtig bewertet ist – nur weil 50 Prozent der Anleihen von Zentralbanken gekauft werden. Wir klären Kunden über alternative Veranlagungen auf, wie Zertifikate. Oder Private Equity. Wobei wir darauf hinweisen, dass dieses Geschäft nicht weniger riskant als Aktien ist und zudem intransparenter. Wir müssen den Kunden klarmachen, dass Sicherheit heute etwas anderes ist als vor 15 Jahren. Für mich ist es heute sicherer, etwa in die EVN zu investieren als in eine Staatsanleihe.

Trotz der guten Performance waren die letzten Jahre von Angst geprägt: vor einem Abschwung in China, dem Brexit, dem Zusammenbruch Italiens, einem Angriff der USA auf den Iran und vor Vorgängen im arabischen Raum generell. Aber der Markt blieb extrem stabil. Die oft in Medien beschriebenen hohen Volatilitäten gibt es nicht. Weil es wenige Alternativen zu den Aktienmärkten gibt. Wir haben zehn Jahre Bull Market hinter uns. Unternehmen sind noch immer relativ günstig bewertet, vor allem im Verhältnis zu den nicht vorhandenen Zinsen. Es wird immer noch nicht reflektiert, dass Zinsen nicht mehr existieren. Die nächste Hochzinsphase wird vielleicht zwei, drei Prozent zeigen, aber nicht mehr zehn Prozent. Die Welt hat sich weiterentwickelt. Man sollte nicht zu viel Angst haben.