Geld für das goldene Alter

"Private Banking" Magazin - Beilage von "Die Presse" (Ausgabe vom 12. Mai 2017)

Wer auch in der Rente den Wohlstand erhalten möchte, muss mit der Vorsorge rechtzeitig beginnen. Eine steigende Lebenserwartung und niedrige Zinsen erfordern dazu durchdachte Strategien, wie Top-Privatbanker aufzeigen.

Mit dem Geld ist das so eine Sache. Wenn man es einmal hat, gilt es eine Menge Entscheidungen zu treffen. Immerhin will man die Kinder gut versorgt wissen, und die Nachfolgeplanung rechtzeitig regeln. Womöglich hat man auch den Wohnsitz gerade erst erweitert, oder sich den lang geplanten Zweitwagen mit der jüngsten Gehaltserhöhung endlich zugelegt. Schließlich hat man im hohen Berufsalter schon einiges erreicht. Doch bei all der Planung sollte man darauf nicht vergessen, auch an den eigenen wohlverdienten Ruhestand zu denken - abseits der staatlichen Pension. Tatsächlich gewinnt das Thema zunehmend an Bedeutung, was auch wenig verwunderlich ist.

Schon jetzt hätten viele Österreicher Angst davor, ihren Lebensstandard in der Pension nicht mehr halten zu können, sagt Werner Zenz, Vorstandsmitglied im Bankhaus Spängler, und erklärt: ,,Sie gehen davon aus, dass eine Reformierung des Pensionssystems ansteht und damit auch die Lücke zwischen derzeitigem Einkommen und der zu erwartenden Pension noch größer wird". Zu allem Überfluss könnte der Rift noch weiter aufreißen. Der Grund dafür liegt in der steigenden Lebenserwartung. ,,Die Menschen werden immer älter und müssen folglich für einen noch längeren Zeitraum planen", mahnt Zenz die Auswirkungen nicht zu unterschätzen.

Lebenserwartung legt weiterhin zu

Erst im vergangenen Februar wurde eine entsprechende Studie des Imperial College London veröffentlicht. Und darin wurde aufgezeigt, dass bis zum Jahr 2030 die Lebenserwartung allein in 35 Industriestaaten weiter steigen dürfte. Auch Österreich wurde dabei unter die Lupe genommen, und die Zahlen sind durchaus ,,weitblickend". Denn laut den Statistiken wird es hier zulande einen Altersanstieg bei den Männern auf 81,40 Jahre und bei den Frauen auf gut 86,22 Jahre geben. Deshalb sollte man auch mit den ersten Schritten nicht lange zögern, sie sollten eine gründliche Bestandsaufnahme umfassen. Darin sind sich die Verwalter des heimischen Geldadels einig. Denn nur so könnten sich Kunden und Berater gemeinsam einen detaillierten Überblick über die gesamte Vermögenslage verschaffen. Geldquellen gibt es dabei reichlich, etwa die kapitalbildenden Versicherungen, sowie Wertpapiere, unterstreicht Schoellerbank-Vorstandsvorsitzender Franz Witt-Dörring, und meint zudem: ,,Sparbücher und Kontoguthaben zählen ebenso zur Rechnung dazu."

Auch Immobilien sind Teil des Gesamtpakets

Doch damit ist noch längst nicht Schluss. Auch das Immobilienvermögen darf nicht ausgelassen werden, betont Beatrice Schobesberger, Leiterin des Private Banking bei der Hypo Vorarlberg. ,,Ist die Immobilie bereits abbezahlt und für den Eigenbedarf gedacht?", verweist die langjährige Expertin auf wichtige Detailfragen. Genauso müsse aber geklärt werden, ob weitere Finanzierungen offen seien. Ist die Immobilie zudem vermietet, sollte die Vertragsdauer festgehalten werden. Nur so könne man sinnvoll kalkulieren. Obendrein hätten Mieteinnahmen einen besonderen Vorteil: ,,Sie zählen schließlich zu den klassischen inflationsgeschützten Erträgen", meint Susanne Höllinger, Vorstandsvorsitzende der Kathrein Privatbank.

Abgerundet wird das Gesamtbild der Vermögenslage mit dem Blick in den Tresor. ,,Vielleicht sind Goldmünzen oder Schmuck vorhanden", listet Schobesberger auf. Auch Kunstgegenstände, die unter Umständen verwertet werden könnten, kann man durchaus zu den Vermögenswerten zählen. Und selbst edle Weine werden nicht immer nur für die Gaumenfreude gekauft, sondern können einen lukrativen Anlagewert haben. Dann kann es allerdings ein wenig knifflig werden. ,,Weniger liquide Vermögenswerte sind grundsätzlich schwieriger zu quantifizieren als beispielsweise Wertpapierdepots", präzisiert Bernhard Ramsauer, Chef der Semper Constantia Privatbank, weshalb der erfahrene Privatbanker etwa auf Sachverständige verweist. Sie könnten entsprechende Schätzungen durchführen.
Und dann kann es mit der Planung auch schon losgehen. Dabei sollte man auf wesentliche Punkte achten. Besteht nämlich eine wenig liquide Vermögensbilanz, etwa aufgrund zahlreicher Immobilieninvestments, dafür aber gute Einnahmen aus der Vermietung sowie aus der gesetzlichen Pension, sollte vorrangig ein Wertpapierportfolio in den Fokus der Veranlagung rücken, meint etwa Witt-Dörring von der Schoellerbank. Besteht hingegen eine liquide Vermögensbilanz mit wenig Einkommen aus einer gesetzlichen Pensionszahlung, könnte eine Rentenversicherung sinnvoll sein. Dabei verweist der Schoellerbank- Boss noch auf eine weitere Alternative: ,,Es kann auch eine Lebensversicherung mit Rentenwahlrecht sein, da diese eine lebenslange Leistung zusätzlich zur gesetzlichen Pension bietet".

Wertpapiere können ,,Lücken" stopfen

Ähnlich der Zugang bei der Kathrein Privatbank: Dort findet Höllinger die Kombination aus Lebensversicherung und Wertpapierportfolio am sinnvollsten, wie sie meint, ,,da Lebensversicherer und Vorsorgekassen in der Regel erst zum gesetzlichen Pensionsalter auszahlen, und bis zum Ableben Erträge liefern". Allerdings decken sie eine mögliche Lücke aufgrund eines vorzeitigen Ausscheidens aus dem Arbeitsprozess nicht ab. Hier spiele laut Höllinger wiederum das Wertpapierportfolio seine Stärken aus, schließlich könne dabei mit dem ,,Absparen"jederzeit begonnen werden. Doch wie so oft gibt es auch hier zwei Seiten der Medaille. Im Gegensatz zu einer Lebensversicherung gibt es bei Wertpapieren nämlich keine lebenslangen Zahlungen, zumindest dann nicht, wenn nebst dem Vermögenszuwachs auch das Stammkapital einmal aufgebraucht ist. Das zeigt zugleich auch, wie wichtig ein vernünftiger Kapitalaufbau ist. Und dazu gilt es vor allem die Risikoneigung sowie das Anlageziel genau abzuklären, betont Robert Zadrazil, Vorstandsvorsitzender der Bank Austria. Auch sollte man den zusätzlichen Kapitalbedarf für die Pension möglichst genau festlegen.
Ähnlich der Tenor bei der Schoellerbank, wobei Witt-Dörring dazu auf wichtige Punkte verweist: ,,Da mit einem hohen Alter oftmals mobile Einschränkungen einhergehen, sollten im Planungsprozess der Einnahmen und Ausgaben auch Veränderungen berücksichtigt werden". Das können zum Beispiel unerwartete Pflegekosten sein.
Doch wie sollte man konkret vorgehen? Bei der Privat Bank der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich verweist Private-Banking- Leiterin Waltraud Perndorfer etwa auf das Core-Satellite-Konzept in ihrem Haus. ,,Hier dient eine Kernveranlagung in vermögensverwaltende Fonds mit möglichst geringer Wertschwankung als Basisinvestment. Je nach Risikobereitschaft und Ertragserwartung werden diesem ausgewählte Einzelinvestments noch beigemischt", präzisiert Perndorfer das Konzept. Und das kann durchaus unterschiedliche Formen annehmen. Gerade im aktiven Erwerbsleben stehe der gezielte Vermögensaufbau (Wachstumsorientierung und langfristiger Anlagehorizont) im Vordergrund. Das erklärt Perndorfer zufolge auch, weshalb grundsätzlich der Aktienanteil in der Veranlagung deutlich höher als der Anleihenanteil ist. Wichtig ist dabei freilich ein langfristiger Anlagehorizont. Dabei würde Zadrazil von der Bank Austria ab einer Dauer von zumindest zehn Jahren ebenfalls zu einer dynamischen Veranlagung raten. ,,Schließlich sollten bei einem langen Zeithorizont Kursschwankungen ausgeglichen werden".

Kurz vor der Pension? Risiko reduzieren

Anders hingegen, wenn der Ruhestand bereits in greifbare Nähe rückt. ,,Dann wäre es ratsam das Gesamtrisiko zu reduzieren, beispielsweise mit einer stufenweise Umschichtung von Aktien in Anleiheinvestments", so der Bank-Austria-Experte. Dabei könnte nebst dem Vermögenserhalt auch die Vermögensabschöpfung im Fokus stehen, fügt Perndorfer hinzu. Auf den ersten Blick mag das womöglich noch ein wenig allgemein klingen, es lässt sich aber mit einem handfesten Beispiel ein wenig konkretisieren: Einem Anleger, der noch gut zwanzig Jahre bis zum Pensionsantritt hat, würde man bei der Semper Constantia in einer ausgewogenen Vermögensverwaltung Aktien zu 35 Prozent und Anleihen zu 40 Prozent gewichten. Der Rest entfällt auf Immobilien, Alternative Investments, Edelmetalle und ein klein wenig Cash. Wobei sich allein der Rententeil etwa aus Staats- und Unternehmensanleihen sowie Emerging Market Bonds zusammensetzt. Anders sieht da schon die Zusammensetzung bei einem Anleger aus, bei dem der Ruhestand bereits in gut einem Jahrzehnt ansteht. Hier würde ein ausgewogenes Semper-Constantia-Portfolio eine Aktiengewichtung derzeit von knapp mehr als zwanzig Prozent einnehmen. Anleihen werden hingegen mit 51 Prozent gewichtet.

Immer auf breite Streuung achten

Freilich gibt es bei den Geldhäusern auch reichlich individuellen Spielraum, abseits eines Musterportfolios. Und das gilt nicht nur für die Veranlagungsdauer. Zenz vom Bankhaus Spängler verweist in diesem Zusammenhang auch auf die Renditevorstellung der Kunden sowie deren ganz persönliche Risikoneigung, sie gelte es genau abzuklären. Gerade für konservative Anleger ist es dabei freilich zunehmend schwierig geworden, vernünftige Erträge zu erzielen. Denn die Zinsen verharren nach wie vor auf ihrem historischen Tiefstand (siehe auch Grafik auf Seite 16 (PDF), sie bildet die kurzfristigen Geldmarktsätze über viele Jahre auf ihrem Weg nach unten ab). Doch einerlei, wofür man sich entscheidet, bei der Wahl der Anlageklassen beziehungsweise der Wertpapiere sollte man stets ein Augenmerk auf eine breite Streuung des Portfolios legen, betont Ramsauer von der Semper Constantia. Und das aus gutem Grund. ,,Denn damit fällt der mögliche Verlust einer einzelnen Position im Verhältnis zum Gesamtwert geringer ins Gewicht, und kann womöglich durch andere Positionen ausgeglichen werden".

Notgroschen einplanen

Allerdings gibt es noch weitere Punkte, die man beachten sollte, um Fehler zu vermeiden. Einer davon ist der Glaube, auf eine Budgetplanung verzichten zu können, mahnt Wolfgang Eisl, Niederlassungsleiter der UBS in Österreich. Erfahrungsgemäß treffe das durchaus auf viele Menschen zu. Mit entsprechenden Konsequenzen: ,,In den meisten Fällen reichen die Rentenleistungen später nicht mehr aus, um den bisherigen Lebensstandard auch nach der Pensionierung aufrecht zu erhalten", sagt Eisl.

Zudem rät der langjährige Banker stets eine Reserve zu halten, ,,um darauf in Notfällen zurückzugreifen." Können erst einmal die künftigen Ausgaben mit den Renten und sonstigen Einnahmen gedeckt werden, meint Eisl weiters, dann sind wohl auch die Weichen in Richtung Pensionierung einwandfrei gestellt.

EINE WOHNUNG ALS PENSIONSVORSORGE?

Aufgrund des tiefen Zinsumfelds ist ein Investment in Immobilien verlockend geworden und hat die Preise kräftig angetrieben. Allein bei Vorsorgewohnungen werden derzeit daher nicht mehr als ein bis zwei Prozent an Mietrenditen erzielbar sein, mahnt Kathrein-Chefin Susanne Höllinger. Je nach Lage freilich. Auch sollte man bedenken, dass eine Zinssteigerung am Geldmarkt keine Renditesteigerung bei der Vermietung mit sich bringt, ,,und man für längere Zeit gebunden ist". Zumindest kann man beim Kauf einer Vorsorgewohnung die Vorsteuer zurückholen. Die Wohnung muss aber mindestens 20 Jahre lang vermietet werden, bis dahin kann man Verluste aufgrund von Abschreibungen der Kreditzinsen oder der Anschaffungskosten auch steuerlich geltend machen. Damit muss aber spätestens nach 20 Jahren Schluss sein. Dann muss man in Summe einen steuerlichen Gesamtgewinn erzielen, erklärt Daniel Triffterer von der Spängler Immobilien GmbH. Ansonsten stuft die Finanz das Projekt als Liebhaberei ein. Und dann muss man die Steuerersparnis - sowie die Vorsteuer - zurückbezahlen.