Die Politik spielt die Musik

Raiffeisen Zeitung - 24. Jänner 2019

Rund 160 geladene Gäste wurden beim zehnten Jubiläums-Kathrein- Talk aus erster Hand über die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten informiert.
2019 werden die politischen Krisenherde die Finanzmärkte weiterhin beschäftigen und für Irritationen sorgen, ist Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek überzeugt. Die Anlegerweisheit, dass ,,politische Börsen kurze Beine haben", also politische Konflikte nur vorübergehend die Kurse drücken, gelte nicht mehr. Zu den politischen Einflussfaktoren zählt der Finanzexperte unter anderem den Handelskonflikt zwischen den USA und China. Im Endeffekt stelle sich dabei die Frage, wer die globalen Industriestandards setzen werde. Aber auch den geplanten Brexit und die Europawahlen, die bestimmen werden, in welche Richtung die Partnerschaft mit den USA gehen wird, zählt Brezinschek zu diesen politischen Faktoren.
Trotz der starken Korrektur der Finanzmärkte Ende 2018, die viele Vermögen wie Eis schmelzen ließ, sieht Brezinschek die wirtschaftliche Entwicklung allerdings nicht so düster wie es das Stimmungsbild vermittle: ,,Die Stimmung ist von einem historischen Hoch gekommen. Man könnte sagen: ,Viel zu hoch gejubelt und jetzt zu tief gejammert.'" Denn das Wachstum sei nach wie vor - wenn auch auf einem niedrigeren Niveau - intakt. Die deutsche Wirtschaftsleistung dürfte heuer um 1,3 Prozent steigen, für Österreich wird ein Plus von 1,7 Prozent erwartet und auch die EU soll wirtschaftlich im Schnitt um 1,5 Prozent zulegen. Die Rezessionsängste hält der Finanzexperte daher für übertrieben: ,,Auch dort, wo dunkle Wolken aufgezogen sind, gibt es genug Sonnenstrahlen. Es ist nicht so finster, wie es den Anschein hat. Die dunklen Wolken sind allerdings stärker in Europa zu finden als jenseits des Atlantiks in den USA", analysiert Brezinschek. Impulse erwartet sich der Finanzexperte gegen Jahresende auch von der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Kerninflationsrate befinde sich in der Zielzone der EZB, es gebe keine Gründe mehr, den Krisenmodus samt Negativzinsen beizubehalten.
Die zehnjährige Aktienhausse neige sich dem Ende entgegen. auf lange Sicht seien die Unternehmensgewinne. Die Erwartungen der Analysten gingen zuletzt in den USA, aber auch teilweise in China und Europa wegen der Rezessionsängste deutlich zurück. ,,In der Differenz zwischen den Erwartungen und den realisierten Ergebnissen kann ein kurzfristiger treibender Faktor für die Kurse entstehen. Wenn das Rezessionsgerede zu Ende geht, könnte das erste Halbjahr mit gewissen Entspannungstendenzen verbunden sein", gibt Brezinschek Hoffnung auf eine gewisse Aufwärtsentwicklung.
Die Hausmeinung der Kathrein Privatbank präsentierte Vorstand Harald P. Holzer. Im Vorjahr erreichten die Aktienmärkte zwischen Jänner und Oktober in unterschiedlichen Regionen neue Höchststände, allerdings reihte sich durch die starke Korrektur im Schlussquartal das Gesamtjahr 2018 aber ,,in die zehn schlechtesten Aktienjahre seit 1973". Auch Diversifikation habe im Vorjahr nicht sehr viel gebracht, denn 93 Prozent aller Anlagekategorien - gemessen in US Dollar - rutschten in den negativen Bereich aus. Dennoch sollte man nicht panisch die Anlagestrategie ändern, weil das Risiko bestehe, so Verluste einzusperren, erklärt Holzer. Sollte es bei der Korrektur bleiben und sich nicht ein Bärenmarkt entwickeln, wofür derzeit einige Indizien sprechen, dann habe man das Gröbste bereits überstanden, war die gute Nachricht des Kathrein- Vorstandsmitglieds.
Was die Wiener Börse den Anlegern bieten kann, stellte deren CEO Christoph Boschan den geladenen Gäste der Kathrein Bank vor: ,,Wir wollen den österreichischen Investoren das bringen, was sie handeln wollen. " So habe die Wiener Börse bisher rund 600 internationale Aktientitel eingeführt, womit man das internationale Handelsuniversum einigermaßen abgedeckt habe. Anfang dieser Woche startete das neue KMU-Segment (,,direct market plus") der Wiener Börse mit acht Teilnehmern, davon vier Neuzugängen wie dem Start-up-Ökosystem und Investorennetzwerk startup 300. Das neue Segment soll vor allem Klein- und Mittelbetrieben die Refinanzierung auch über die Börse ermöglichen.

Stefan Neubauer komplettiert Kathrein-Vorstand

Stefan Neubauer, bisher im Management der Raiffeisen Centrobank, wurde zum Vorstandsmitglied der Kathrein Privatbank per 1. Februar 2019 bestellt. Gemeinsam mit Harald P. Holzer (Portofolio) und Harald Thury (Kunden), die seit vielen Jahren dem Führungsgremium angehören, wird Neubauer für die Strategie in der renommierten Privatbank verantwortlich sein. ,,Mit dem neuen Vorstand ist die Kathrein Privatbank bestens für die Anforderungen des künftigen Geschäftes gerüstet. Langjährige Erfahrung und Professionalität sowie die Sicherheit des Eigentümers RBI gewährleisten der Kathrein Privatbank auch weiterhin Stabilität", betonte Walter Rothensteiner, Aufsichtsratsvorsitzender der Kathrein Privatbank. Die Kathrein Privatbank, eine 100-prozentige Tochter der Raiffeisen Bank International, will ihre bewährt konservative Veranlagungspolitik als eine wichtige Säule ihrer Strategie beibehalten. Der Vorstand setzt im Privatkundengeschäft vor allem auf die Betreuung von anspruchsvollen Kunden sowie das Zusammenspiel mit besonders gut ausgebildeten, hoch motivierten Mitarbeitern.