,,Die Bank steht extrem gut da, deshalb kann ich gehen"

Raiffeisen Zeitung - 21. März 2019

Wilhelm Celeda bilanziert sein letztes Jahr als CEO bei der Raiffeisen Centrobank und spricht über seine neuen Aufgaben bei der Kathrein Privatbank.

Wie ist das Jahr 2018 für die Centrobank gelaufen?

Wilhelm Celeda: Es war ein ausgezeichnetes Jahr. Wir sind nahe am Rekordergebnis von 2017 - vor allem wiederum getragen durch das Zertifikatsgeschäft, das den Rekordwert erneut überschritten hat. Sowohl das Emissionsvolumen als auch der Ertrag haben unsere Erwartungen übertroffen. Wir sind mit 1.1.2018 in die Mifid-Welt eingetaucht und waren wir uns nicht ganz sicher, ob die gute Entwicklung wirklich so weitergeht. Wir sind sehr froh, dass sich alle Maßnahmen, die wir 2017 gesetzt haben, positiv ausgewirkt haben und Zertifikate in allen Portfolien aller Risikostufen sehr prominent ihren Platz gefunden haben. Kapitalschutzprodukte haben im letzten Quartal auch gezeigt, dass man mit ihnen besser performen kann als mit Direktinvestments. Das Anlegervertrauen in Zertifikate konnte also nochmal verstärkt werden.

Mit 1. Mai 2019 wechseln Sie als Vorstandsvorsitzender in die Kathrein Privatbank. Sie waren seit 2013 im RCB-Vorstand und seit 2015 Vorstandsvorsitzender. Welche Bereiche haben sich in Ihrer Zeit am stärksten weiterentwickelt?

Celeda: Die gesamte Bank steht extrem gut da, nicht nur, was das Ergebnis anbelangt. In den vergangenen zwei Jahren hatten wir Rekordergebnisse, das geht nur mit einem dementsprechend guten Team. Der Teamspirit freut mich am meisten, dass jeder für den anderen mitdenkt und mitkämpft. Alle Bereiche arbeiten sehr gut zusammen, egal ob das jetzt der Bereich Markt oder Marktfolge ist, die gemeinsame Lösungsfindung steht im Vordergrund. Das ist auch die Voraussetzung, dass man überhaupt nach so langer Zeit weggehen kann: wenn man weiß, dass die Bank in guten Händen bleibt.

Sie waren über 25 Jahre bei der Centrobank. Der Abschied fällt Ihnen nicht schwer?

Celeda: Persönlich ist es schon schwer, aber ich glaube, dass eine Veränderung nach so langer Zeit nicht schlecht ist.

Für die Bank oder für Sie?

Celeda: Für beide Seiten. Ich sehe es positiv, dass in der Centrobank das Bewährte fortgesetzt wird und Neues hinzukommt, das traue ich sowohl Heike Arbter als auch Harald Kröger zu. Und für mich persönlich auch, weil ein neues Aufgabengebiet wartet. Ich bin sehr überzeugt vom Private Banking, dass es der Digitalisierung zum Trotz, oder gerade deswegen, eines der wenigen wachsenden Felder sein wird in der gesamten Branche. Wir werden weitere Vermögenszuwächse in der Region - in Österreich und vor allem auch in Osteuropa - sehen und es wird die persönliche Beratung weiterhin im Vordergrund stehen.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Celeda: Die Kathrein soll als die Privatbank der Raiffeisengruppe etabliert werden, auf das freue ich mich am meisten.

Werden Sie auch direkten Kundenkontakt pflegen?

Celeda: Ja, ganz sicher, dafür ist man auch CEO, dass man beim Kundenkontakt mitmacht und zur Verfügung steht, wenn es gewünscht ist. Wenn Kunden sich besonders für den Aktienmarkt oder für Zertifikate interessieren, dann kann das von mir abgedeckt werden. In der Veranlagung kann ich einen Mehrwert mitbringen, aber grundsätzlich ist es meine Hauptaufgabe, die Privatbank im Netzwerk noch besser zu etablieren, so dass jeder stolz i st, wenn er einen Kunden zu Kathrein schicken kann.

RBI-CEO Johann Strobl hat Ihnen zu Ihrer Bestellung gesagt "Man sollte Fachkräfte dort einsetzen, wo sie am meisten gebraucht werden." Warum hat man sich für Sie entschieden?

Celeda: Man sieht, dass die Centrobank auf sehr guten Beinen steht und mein Abgang zu keinerlei Schwächung der Centrobank führt. Das Standing, das die Centrobank in der Gruppe hat, kann man auch in die Kathrein transferieren. Ausschlaggebend war auch die Vertriebsstärke, also meine Fähigkeit mit Kunden zu sprechen.

Kann die Zusammenarbeit zwischen Kathrein und RCB noch intensiviert werden?

Celeda: Ganz sicher. Es gibt bereits Anknüpfungspunkte - zum Beispiel bei Orderexekutionen -, aber es ist sicher noch möglich, die Abläufe effizienter zu machen.