"Die Ausrichtung ist defensiver geworden"

Werte mit Zukunft - Mai 2019

Harald Holzer, Vorstandsmitglied der Kathrein Privatbank, im Interview über Anlagestrategie und langfristige Ertragschancen.

Die Börsen haben seit Jahresbeginn nach Rückschlägen in der zweiten Hälfte 2018 aufgeholt. Was empfehlen Sie Ihren Kunden?

Harald Holzer: Trotz der Börsenrückgänge haben wir unseren Kunden geraten nicht panisch die Anlagestrategie zu ändern. Das hätte das Risiko erhöht, Verluste einzusperren. Diese Sicht hat sich im ersten Quartal sehr eindrucksvoll bestätigt. Wir empfehlen ein breit diversifiziertes Portfolio. Um realen Vermögenserhalt nach Kosten, Steuern und Inflation zu erreichen, rechnen wir mit einer langfristigen Aktienquote von 30 Prozent. Aufgrund einiger Frühwarnindikatoren sind wir etwas defensiver geworden und empfehlen, taktische Abweichungen von der langfristigen Aktienquote zuzulassen. Wir reduzieren den Aktienanteil bis auf 20 Prozent.

Sichere Staatsanleihen leiden unter Ertragsschwäche. Auf welche Alternativen vertrauen Sie bei Anleihen?

Holzer: Staatsanleihen von Entwicklungsländern in lokaler Währung bieten derzeit sehr attraktive Renditen. Das gilt im aktuellen Niedrigzinsumfeld auch für Unternehmens- und Hochzinsanleihen. Inflationsgeschützte Anleihen wie auch Cash plus-Fonds bieten den besten Schutz bei steigenden Inflationszahlen. Staatsanleihen sind bei uns zu Gunsten von High Yield-Anleihen und Anleihen aus den Entwicklungsländern untergewichtet.

Welche Depotausrichtung empfehlen Sie Ihren Kunden derzeit?

Holzer: Wir setzen bei unserer Strategie zum Vermögensschutz auf ein breit diversifiziertes Portfolio. Ein Großteil unserer Kunden ist mit einer Vermögensverwaltung basierend auf Einzeltiteln und Investmentfonds und oder ETFs investiert. Eine breite Auswahl an internationalen Anbietern wird dabei berücksichtigt. Die Asset Allocation wird in der Privatbank gemacht und spiegelt unsere Expertise wider. Da wir die Entwicklung an den Aktienmärkten weiterhin positiv einschätzen, empfehlen wir die Beimischung einer Aktienquote. Am stärksten wird unser breit diversifizierter Asset Allokation-Fonds Mandatum 25 mit einer durchschnittlichen Aktienquote von 25 Prozent nachgefragt. Dieser Fonds hat ein sehr gut ausgewogenes Ertrags-Risikoprofil.

Welcher Ertrag ist im Gesamtjahr 2019 mit einem Depot mit 30 Prozent Aktienteil möglich?

Holzer: Kurzfristige Prognosen sind natürlich sehr schwierig und werden in unserem Haus nicht gemacht. Langfristig schätzen wir den Ertrag für ein Portfolio mit der vorhin genannten Asset Allocation auf fünf bis sechs Prozent pro Jahr.