04.04.2012

Voll Optimismus ins nächste Halbjahr

Der Optimismus ist zurück bei den Vermögensverwaltern und Anlageexperten Österreichs. So einig war man sich noch nie, dass das nächste ein gutes Börsenhalbjahr sein wird. Skepsis herrscht über die Dauerhaftigkeit.


Die Finanzkrise feiert demnächst ihr erstes halbrundes Jubiläum, und so lange sind auch bereits die goldenen Zeiten für die Vermögensverwaltung vorbei. Viele davon konnten bis dahin einfach mit einem Geschäftsmodell arbeiten, das darin bestand, sich einen prozentuellen Anteil an den jährlichen Zugewinnen zu sichern. Seit 2007 ist das vorbei: Nur wer es schafft, die Vermögen und das Vertrauen seiner Kunden zu erhalten, indem er aktiv und transparent informierte, sich mit den Ängsten und Sorgen auseinandersetzte, schaffte es, die letzten fünf Jahre zu überstehen. Die aktuelle GEWINN-Umfrage zeigt nun aber: Erstmals hat Optimismus die Zukunftssorgen verdrängt.


Optimismus dank Geldflut

Die Private-Banking-Experten sehen - so einhellig wie noch selten zuvor - mit Zuversicht in die nächsten Börsenmonate. Die Märkte haben sich rasch entspannt, speziell mit Aktien sollte es deutlich nach oben gehen. Entspannung bringt die enorme Geldschwemme, mit der die EZB und andere Zentralbanken die Banken tränken und damit auch die Finanzmärkte überschwemmen - angesichts dessen die Wertpapiere gar nicht mehr anders können, als zu steigen. "Die Risken eines erneuten Schocks für das Finanzsystem scheinen dank der außergewöhnlichen Unterstützung durch die Notenbanken deutlich reduziert", meint etwa Henrik Herr von der Credit Suisse in Österreich. "Ich gehe davon aus, dass die Geldpolitik noch weit bis ins Jahr 2013 aggressiv bleiben wird", ergänzt Erich Stadlberger von der Oberbank. Thomas Partel von der Hypo NÖ wiederum sieht in einer Situation wie jetzt einen klassischen Einstiegszeitpunkt: "Gerade an einer Mauer der Angst stiegen Kurse in der Vergangenheit, wie zuletzt im März 2009."


Skepsis über die Dauerhaftigkeit

Liquiditätsschwemme ist gut, sie muss aber auch einmal einen echten Wirtschaftsaufschwung auslösen. Die Deutsche Bank sieht dafür - wie einige andere - auch schon Anhaltspunkte: "Die makroökonomischen Rahmenbedingungen verbessern sich weiter." Die Reihen der Skeptiker sind hier aber auch noch recht dicht: "Die Probleme wurden durch die Notenbanken mit viel Liquidität zugedeckt", meint Helmut Urban, Leiter der Semper Constantia Privatbank, unisono mit Robert Löw von der Liechtensteinischen Landesbank: "Unser Haus bleibt aufgrund der ausschließlich liquiditätsgetriebenen Aktienmarktrally vorsichtig positioniert." Und Constantin Veyder-Malberg, Vorstand der Capitalbank (Grawe-Gruppe), mahnt: "Griechenland ist doch lediglich die Spitze des Eisbergs. Zu viele Länder haben über ihre Verhältnis gelebt und irgendjemand wird dafür bezahlen. Als Anleger muss man sich dessen bewusst sein und darf nicht kurzfristigen Entwicklungen nachlaufen. Wer bei der Rallye der vergangenen Monate dabei war, kann sich jetzt wieder defensiver positionieren."


Wer den Anfang der Rally mitmachte

Bei der Rally der letzten Monate waren nur die wenigsten dabei, die Kurse stiegen mit sehr geringen Umsätzen. Wer war dabei, die Kunden von welchen Private-Banking-Experten? Die GEWINN-Tabelle gibt darüber etwas Aufschluss: In der Spalte "Trefferquote Winter 2011/12" sehen Sie, wer in der letzten Umfrage, die im Oktober 2011 im GEWINN publiziert wurde, die Zeichen der Zeit richtig deutete und entgegen der damaligen Euro-Untergangsstimmung zum Einstieg auch in Aktien geraten hat: Die Partnerbank und die Wiener Privatbanken hatten damals schon Aktien auf "Grün" gestellt. Auch Deutsche Bank, Erste Bank, Hypo Vorarlberg, Lechbank, Liechtensteinische Landesbank, Schoeller- bank, UBS und VKB-Bank waren bereits gut auf Aktien zu sprechen. Jetzt im Frühjahr haben sich zu den Optimisten auch Hypo NÖ, Kathreinbank, Krentschker, Oberbank, Raiffeisen Private Banking Wien, RCM und Spängler gesellt, die mit ihren Kunden verstärkt in den Aktienmarkt einsteigen. Auch die Zürcher Kantonalbank, die erstmals an der GEWINN-Umfrage teilnimmt, ist sehr positiv eingestellt. Allerdings: "Gegenüber dem Vormonat ändert sich die Aktieneinschätzung von sehr positiv auf positiv. Stärkeres mittelfristiges Sentiment, weiterhin moderate Bewertungen, positive Charttechnik, Liquidität durch die EZB sowie robuste Konjunkturzahlen wirken unterstützend. Andererseits verläuft die Berichtssaison nicht nur solide", erläutert Christian Ohswald vom Raiffeisen Wien Private Banking. Sogar wieder etwas auf die Bremse steigen Gutmann und VKB (siehe Tabelle), während die Capitalbank skeptisch war und weiter bleibt.


Substanz vor Wachstum

Wer sich die Tabelle ansieht, findet sofort, auf welche Aktien die Experten derzeit setzen: auf Substanz und auf Bluechips, und nicht auf Wachstum (und auch nicht auf österreichische Werte). Dabei darf man auch auf die Streuung nicht vergessen, so Wolfgang Traindl von der Erste Bank: "Derzeit erscheinen uns Risikoanleihen, Substanzaktien und Gold besonders attraktiv." Ähnlich auch Günter Smodic von der Lechbank: "Interessant bleiben neben ausgewählten Bluechip-Aktien und Unternehmensanleihen auch Staatsanleihen solider Schwellenländer."


Unternehmensanleihen gefragt

Die angesprochenen Unternehmensanleihen werden von den Experten schon seit einiger Zeit bevorzugt, angesichts der Unsicherheiten rund um fast alle Staatsanleihen. Alexander S. Friedman, Chief Investment Officer, UBS Wealth Management: "US-Unternehmensanleihen mit niedriger Bonität (High Yield) weisen angesichts der extrem niedrigen Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen nach wie vor hohe Renditedifferenzen auf."


Harald Holzer von der Kathreinbank sieht noch ein anderes attraktives Marktsegment: " Anleihen der PIIGS-Länder und der Kernländer wie Österreich werden sich deutlich besser entwickeln als deutsche und US-Papiere." Alleinstellungsmerkmale der einzelnen Anbieter Bleibt die Frage, wie und wo sich die Private-Banking-Spezialisten nach der Krise selbst aufgestellt sehen. Einen zahlenmäßigen Überblick liefert die Tabelle, in der Sie unter anderem auch die Mindestgrößen der verwalteten Vermögen finden. GEWINN fragte die rund 25 Anbieter, die den Fragebogen ausfüllten, aber auch danach, worin sie ihr Alleinstellungsmerkmal im derzeitigen Markt sehen.


Groß, stark, global

Hier sieht sich Credit Suisse zuhause, mit weltweit zwei Millionen Kunden, samt ganzheitlicher Beratung für Unternehmen und Familien. Auch die Deutsche Bank unterstreicht, eine der best- kapitalisierten globalen Banken zu sein, mit weltweitem Know-how, das man auch den österreich- ischen Vermögensverwaltungskunden weitergeben kann. Genau wie die UBS, die etwa ein Team von 120 Analysten weltweit für sich arbeiten lässt, in dem 43 Sprachen gesprochen werden, und mit einem Tier-1-Kapital von 19,7 Prozent.


Von starken Eltern

Die Capitalbank verweist auf die Grazer Wechselseitige als wirklich starke Mutter, mit dem aktuellen Zusatznutzen, Kunden auch bei Bedarf Finanzierungen anbieten zu können. Den starken Vater betont auch die Hypo NÖ (100-Prozent-Eigentümer ist das Land Niederösterreich), die LLB (mit dem Land Liechtenstein als Mehrheitsaktionär, das ein unbeflecktes AAA-Rating hat) sowie die Privatbanken im Raiffeisensektor, wie RCM oder Kathreinbank. Auch die Zürcher Kantonalbank erhielt mehrfach Auszeichnungen als sicherste Bank.


Unabhängig, objektiv

Oberbank, Partnerbank, VKB und Semper Constantia sehen ihre Stärke in der Objektivität und Unabhängigkeit, frei von jedem Druck, Eigenprodukte verkaufen zu müssen. Dass es auch ein Vorteil sein kann, abseits jeder Börsenhektik Entscheidungen zu treffen, sieht die Lechbank als einen ihrer großen Vorteile.


Vernetzt

Die Credit Suisse sieht sich weltweit in einer guten Position auch in der Vernetzung von Unternehm- enskunden, als deren Zusatznutzen. Auch das Raiffeisen Private Banking Wien bietet dies seit Kurzem aktiv seinen Kunden an.


Unternehmer, Peer-to-Peer

Die Bank Gutmann, im 80-Prozent-Eigentum der Unternehmerfamilie Kahane, sieht sich bestens aufgestellt, um die Interessen von anderen Unternehmen und deren Familien verstehen zu können, in einem partnerschaftlich-unternehmerischen Geschäftsmodell.


Fair bei den Provisionen

Die Capitalbank bietet ein einmaliges Honorierungsmodell namens "Fair und Ehrlich" an, mit dem die Berater nur verdienen, wenn auch der Kunde verdient. Raiffeisen Private Banking Wien ist hier eben- falls mit ihrer "Leistungsgarantie" einzigartig. Wer sich für die von der Bank gemanagte Asset Allo- cation entscheidet, bezahlt ein "All-in-one-Fee, dessen Höhe ausnahmslos abhängig von seiner subjektiven Zufriedenheit ist" (Ohswald).


Gut sortiert, gut veranlagt

Die Erste Bank sieht eine ihrer Stärken in klar definierten Produkten, die die Berater auch detailliert erklären können, genauso die Oberbank, die verständliche und nachvollziehbare Produkte als ihre Stärke sieht. Auf dieses Argument setzt auch die Bank Austria mit dem "Preferred Partner"-System und "5invest" einem strukturierten Ansatz zur Vermögensverwaltung in fünf verschiedenen Risikoklassen. Die Hypo Vorarlberg betont dagegen ihre Aktienstrategie mit dynamischem Wertsicherungskonzept (CPPI), das schon von 2.500 Kunden angenommen wurde.


Vielfältig, offen

Demgegenüber sieht sich das Bankhaus Spängler als Privatbank mit offener Produkt- und Dienstleistungsstruktur. Auch RCM (Raiffeisen Capital Management) betont die umfassende Produktpalette für individuelle Anforderungen. Die Lechbank und die Privatbank (Raiffeisen OÖ) streichen ihre offene Depotarchitektur hervor, Letztere auch ihre Anlagestrategie nach der Börsenpsychologie (Behavioral Finance).


Transparent

Die Hypo Vorarlberg lässt ihre Leistung nach den Global Investment Performance Standards von einer externen Revision freiwillig überprüfen. Auch die Partnerbank sieht sich als sehr transparent (obwohl sie im Fragebogen als einzige zur Zahl ihrer Mitarbeiter keine Angaben machte). Das RCM unterstreicht die Kompetenz in der Fondsanalyse und betont das moderne Reporting mit umfang- reichen Detailinformationen für Kunden, täglich verfügbar. Das Raiffeisen Private Banking Wien hat den "Risikoprofiler" entwickelt, wo der Kunde sehr klar messen kann, wie er derzeit zwischen Renditewunsch und Risikoakzeptanz positioniert ist, verbunden mit einem Frühwarnsystem.


Special Interest

Die Capitalbank unterstreicht ihre Expertise bei der Repatriierung von im Ausland geparkten Ver- mögen, in Zusammenarbeit mit den besten Steuerexperten. Hypo NÖ und Wiener Privatbanken sehen sich bei Immobilien besonders fachkundig, und Bank Austria sowie Kathreinbank bei Stiftungen. Als einzige betont die Zürcher Kantonalbank ihre Expertise bei nachhaltigen Geldanlagen.


Regional

Dass es auch ein Vorteil sein kann, abseits jeder Börsenhektik Entscheidungen zu treffen, sieht die Lechbank als einen ihrer großen Vorteile.