22.06.2012

Ned Davis Research: USA gut unterwegs

Wien. Positiv für die USA gestimmt ist Joseph Kalish, Chefstratege von Ned Davis Research, der vor Kurzem auf Wien-Besuch bei der Kathrein Bank weilte; das Institut arbeitet seit mehr als zehn Jahren mit dem amerikanischen Analysehaus zusammen. Kalish meint daher, dass die Strategie der Federal Reserve, der amerikanischen Notenbank, gut aufgegangen sei. Auch Europa habe wenig andere Optionen, aber die EZB solle die Zinsen weiter senken.


Dafür, dass die USA auf einem sehr guten Weg sind, findet Kalish viele Indizien: Beim Immo- bilienmarkt, der schon vor sieben Jahren zu kriseln begonnen habe, zeige sich nun eine Boden- bildung der Preise. Dem schwachen Neubau stehe eine den zur Verfügung stehenden Objekten übersteigende Zahl an Haushaltsgründungen gegenüber. Die finanzielle Situation der verschuldeten Bevölkerung bessere sich; dies zeige sich beispielsweise am Automarkt: 2012 dürfte mit mehr als 14 Mio. Fahrzeugen das dritte starke Absatzjahr in Folge werden. Auch die Stimmung bei den Konsu- menten und den Banken bessere sich, die Kreditportfolios der Banken zeigten insgesamt eine sich entspannende Tendenz.


Starker Energiesektor

Weiters können die USA auf ihren Energiesektor zählen: Durch die Rohstoffvorkommen und die Industrie seien Öl und Gas billiger als in Europa. Die USA seien auch nicht so abhängig von Exporten – die US-Exportrate in Prozent des BIP beträgt nur rund 14%. "Europa legt den Fokus zum Teil zu wenig auf den Binnenmarkt", so Kalish. Mit einem erstarkten Euro beispielsweise nach einem Austritt der Peripherieländer und schwachen Staaten aus der Eurozone würden sich die Exporte verteuern – damit hätte man keine Freude. So aber müssen die starken Staaten, allen voran Deutschland, die Peripherieländer finanzieren.


Demografisches Profil

Auch mit dem demografischen Profil hätten die USA bessere Chancen als andere entwickelte Länder in Europa oder als z.B. Japan. Auch China werde wegen der Ein-Kind-Politik über kurz oder lang Probleme bekommen. Für europäische Aktien sieht Kalish aber nicht grundsätzlich schwarz: Bei europäischen Konzernen, die Zugang zum Kapitalmarkt haben und globale Player sind, besteht wenig Gefahr – anders bei kleinen und mittleren Betrieben, die von Bankfinanzierungen abhängig sind und in erster Linie auf dem Heimatmarkt aktiv sind. Eine gute Kreditanalyse zahle sich für den Investor aus. Gänzlich Entwarnung gibt Kalish für die Inflationsthematik: Derartige Befürchtungen seien aktuell gänzlich fehl am Platz, so der Investmentstratege.