12.04.2012

Edel investieren

Wo lässt sich im noch relativ jungen Anlagejahr 2012 so richtig Kasse machen? Was sind die interessantesten Anlageklassen? Wie wird sich die Weltkonjunktur weiterentwickeln? Gibt es Lösungen für die Schuldenkrise? Das und noch viel mehr wollte das GELD-Magazin von ausgesuchten Privatbanken wissen. Die Anlageexperten standen gerne Rede und Antwort.


Gutes Aktienjahr

Im Großen und Ganzen herrscht bei den Befragten Optimismus vor. Christian Ohswald, Leitung Raiffeisen Private Banking Wien, meint: "Die Aktieneinschätzung ist positiv. Ein stärkeres mittel- fristiges Sentiment, weiterhin moderate Bewertungen, positive Charttechnik, Liquidität durch den EZB-Tender sowie robuste Konjunkturzahlen wirken unterstützend. Andererseits verläuft die Berichts- saison laut dem Experten nicht nur solide, das positive Überraschungsmomentum vieler Kon- junkturindikatoren ist vorerst dahin: "Zudem können die Staatsschuldungsproblematik, hoher Refinanzierungsbedarf vieler Krisenstaaten und erhöhte Kapitalerfordernisse der Banken 2012 belastend für den Aktienmarkt sein." Emerging Markets, im Speziellen die Region Asien aufgrund der überdurchschnittlichen und nachhaltigen Wachstumsdynamik sowie Deutschland und Österreich vor allem aus bewertungstechnischer Überlegung sind für Ohswald die interessantesten Anlageregionen bzw. Länder.


Auch bei der Deutschen Bank zeigt man sich für Aktien prinzipiell "bullish": "Aktien bleiben unsere bevorzugte Assetklasse. Wir raten aber nach den starken Kursanstiegen der letzten Monate zu einem vorsichtigen Einstieg. Zum Jahresanfang haben sich US-Aktien besser entwickelt als europäische Aktien, mit Ausnahme von DAX und ATX. Sich verbessernde Bewertungskennzahlen könnten ein verlangsamtes Gewinnwachstum ausgleichen", so Andreas Diesner, Chief Investment Officer des Private Wealth Managements der Deutschen Bank in Österreich. Großkapitalisierte Unternehmen sind laut dem Wertpapierexperten zu bevorzugen: "Wir richten unser Augenmerk auf längerfristige Anlagemöglichkeiten in global ausgerichteten Unternehmen in Europa. Wenn es in den Industrie- ländern zu einem anhaltenden Aufschwung kommt, könnte sich das starke regionale Wachstum in den Schwellenländern nach der schwachen Entwicklung der letzten Zeit deutlicher in Kursanstiegen von Emerging-Markets-Aktien niederschlagen."


Emerging Markets und Europa

Wie vielen anderen Private Bankern gefallen auch Ohswald Aktien aus Schwellenländern: "Angesichts der vorerst anhaltenden erheblichen Unsicherheit an den europäischen Rentenmärkten bleiben global diversifizierte Aktien die relativ attraktivste Anlageklasse. Schwellenländeraktien aus Asien und Lateinamerika tragen zur Diversifikation bei, ebenso Industrieländermärkte außerhalb der Eurozone." Johannes Hefel, zuständig für die Bereiche Privatkunden, Private Banking und Asset Management bei der Hypo Landesbank Vorarlberg, meint: "Positive Liquiditätsindikatoren und günstige Bewertung lassen uns Aktien mittelfristig als sehr interessant erscheinen. Das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) ist sowohl historisch als auch gegenüber alternativen Assetklassen tief. Auch andere Kennzahlen, wie Dividendenrendite und Kurs/Buchwert-Verhältnis, deuten trotz des Kursanstiegs auf weiterhin günstige Preise hin." Hefel favorisieret die Anlageregionen Europa, USA sowie asiatische Schwellenländer: "Europas Aktienmärkte haben den Absturz vom letzten Sommer inzwischen nahezu vollständig ausgeglichen und befinden sich in einer Aufwärtsbewegung. Die Stimmung hat sich verbessert, die Markttechnik unterstützt den freundlichen Trend. Mittel- bis längerfristig bieten die günstigen fundamentalen Bewertungsrelationen Spielraum für höhere Kurse."


Der US-Aktienmarkt wiederum ist laut dem Experten historisch gesehen attraktiv bewertet und hat gute Defensivqualitäten. Die Bilanzen der US-Unternehmen sind stark genug, im aktuellen Marktumfeld zu bestehen, ohne auf Refinanzierung angewiesen zu sein. In den asiatischen Schwellenländern sorgt das Thema Verschuldungskrise in den westlichen Industrienationen zwar unverändert für hohe Volatilität, die Themen Geldentwertung und Überhitzung verlieren allerdings mehr und mehr an Schrecken. "Damit eröffnen sich für die Zentralbanken in Asien Spielräume, zu einer expansiveren Geldpolitik überzugehen. Die fundamentalen Faktoren, wie das überdurch- schnittliche Wachstum, der rasch wachsende Binnenkonsum und die niedrige Verschuldung, sind die entscheidenden Argumente dafür, dass sich Asiens Börsen mittelfristig überdurchschnittlich entwickeln", analysiert der Hypo-Fachmann. Emerging Markets zählen auch zu den Anlagefavoriten von Christian Baumgartner, zuständig für das Portfoliomanagement des Bankhauses Schelhammer & Schattera: Die bisher nicht gelösten Strukturprobleme der westlichen Welt bieten vor allem den Emerging Markets in Asien und Lateinamerika erhebliche Chancen: "Diese Aktienmärkte haben weiterhin Potenzial und weisen ein geringeres Risiko für Kursrückschläge auf als die entwickelte Welt."


Interessante Branchen

Neben der Länder- spielt natürlich auch die Regionen-Allokation eine gewichtige Rolle: "Die Branchen Versorger, Energie, Gesundheit und Informationstechnologie erachten wir als aussichtsreiches Aktieninvestment. Die Demografie und das weiterhin anhaltende Bevölkerungswachstum stützen unsere Ausrichtung. Die Dividendenrendite und der Cashflow sind in diesen Sektoren sehr hoch und unterstützen den Aktienkurs", so Baumgartner. Bei der Deutschen Bank empfiehlt man wiederum schon seit Längerem den US-Technologiesektor. "Darüber hinaus sehen wir aktuell auch Chancen in Energiewerten Viele der befragten Private Banker glauben auch weiterhin an die Erfolgsstory der Schwellenländer, wobei die Experten betonen, immer auf breite Diversifikation zu achten. Emerging Markets dienen also vor allem der Portfolioabrundung – das aber durchaus erfolgreich: Allein der breit gestreute FERER Emerging Markets Index hat auf Sicht der letzten sechs Monate an die 30 Prozent zugelegt. Eine ähnlich gute Performance können Technologiewerte aufweisen (siehe rechter Chart), die ebenfalls gerne von einigen Strategen der exklusiven Privatbanken empfohlen werden. Favorit: Emerging markets Branchenindex: Technologie Globalbzw. in Healthcare-Aktien. Grundsätzlich bevorzugen wir großkapitalisierte Unternehmen mit den fundamental günstigsten Bewertungen in ihrem Sektor. Wir richten unser Augenmerk auf längerfristige Anlagemöglichkeiten in global ausgerichteten multinationalen Unternehmen", so Diesner. Hefel von der Hypo Vorarlberg ist positiv für zyklische, defensive sowie Titel aus dem Rohstoff- und Energiebereich eingestellt. Dabei weisen die zyklischen Branchen laut dem Experten weiterhin niedrige KGV-Bewertungskennziffern auf.


"Im Umfeld eines zuletzt nur noch leicht abflauenden Gewinntrends konnten die exportabhängigen Sektoren Automobil, Chemie und Industrie ihre Gewinnentwicklung stabilisieren, was wir positiv interpretieren. Neben den Zyklikern besitzen die Titel aus dem Rohstoff- und Energiespektrum eine sehr attraktive KGV-Bewertung", so Hefel. Die defensiven Sektoren lassen weiterhin eine konstante Gewinnentwicklung erwarten und punkten zudem mit hohen jährlichen Ausschüttungen. Telekom-Unternehmen und Versorger mit 8,9 Prozent bzw. mit sieben Prozent besitzen die höchsten Dividendenrenditen. Bankentitel und Assekuranzwerte hingegen sollten dem Hypo-Experten zufolge trotz geldpolitischer Unterstützung der Notenbank weiterhin kritisch gesehen werden: "Während der gesamte Sektor basisbedingt ein positives Gewinn-Momentum aufweist, leiden Banken und Versicherer aufgrund der zunehmenden Verschärfung aufsichtsrechtlicher Anforderungen unter negativen Gewinnrevisionen von Seiten der Primäranalysten."


Harald P. Holzer, Mitglied des Vorstands & CIO der Kathrein Privatbank

Unser Schwerpunkt liegt in der Betreuung und Veranlagung der Ver- mögen von Unternehmern und deren Familien, wobei wir hohe Sicherheit durch die Eigentümerschaft der internationalen Ban- kengruppe Raiffeisen bieten. Zudem sind wir die Nummer eins in der Servicierung von Privat- stiftungen. Wir betreuen Kunden ab einem Vermögen von einer Million Euro. Unsere Anlagestrategie ist immer an das Ertrag/Risiko-Profi l des Kunden angepasst. Der Großteil der Veranlagungen sind Euro-Anleihen (Staatsanleihen, infl ationsgeschützte Anleihen und Investmentgrade Corporate) und großkapitalisierte US-Aktien sowie europäische Aktien, die wir selbst mittels quantitativer, wissen- schaftlich abgesicherter Stra- tegien abdecken. Diese sind nicht immer besser, aber sie verhin- dern die "behavioral traps" (overconfi dence, simplifi cation, greed & fear; also Selbstüberschätzung, Ver- einfachung, Gier und Angst, Anm.) in die jeder Investor (auch professionelle Anleger) verfallen. Da wir die Strategie selbst festlegen, können wir genau erklären, warum wir wie und wie gehandelt haben. Wir verhindern somit die Risiken bei der Auswahl von Fremdprodukten (zum Beispiel Ma- doff). Wir setzen nicht auf "Modethemen". Wichtig ist uns immer eine breite Diversifi zierung verschiedenster Anlageklassen.