18.02.2010

"Aktien bleiben im Bärenmarkt"

Aktienmärkte werden erst gegen Jahresende so richtig durchstarten können. Davon geht Timothy Hayes aus, Chief Investment Strategist von Ned Davis Research, einem unabhängigen Finanzanalyseunternehmen, das in Österreich etwa die Privatbank Kathrein & Co berät. Hayes lässt sich in seiner Analyse nicht von der jüngsten Korrektur leiten, sondern von einem stockenden konjunkturellen Aufschwung. "Besonders im zweiten Quartal wird man erste enttäuschende Konjunkturzahlen sehen, etwa aus den USA", so der Stratege. Damit werden auch die meisten Wertpapiermärkte in dem Zeitraum enttäuschen, glaubt Hayes.


Erst 2011 Zinserhöhung

Ein Grund für die negative Prognose: der Aufschwung, insbesondere in den USA, schaffe keine Arbeitsplätze. Damit stelle sich auch fürZentralbanken die Frage einer Exit-Strategie erst später. Hayes geht etwa nicht davon aus, dass die Federal Reserve in den USA oder die Europäische Zentralbank bereits 2010 die Zinsen erhöhen werden: "Damit rechne ich erst 2011". Doch die längerfristigen Zinsen, etwa für 10-jährige Staatsanleihen, dürften in den nächsten Quartalen steigen. Daher empfiehlt Hayes Investoren, Staatsanleihen im Portfolio unterzugewichten. Im Anleihenbereich präferiert Hayes besser verzinste Unternehmensanleihen.


Obwohl sich der Investmentstratege für ein Aktienübergewicht im Portfolio ausspricht, ist er nicht uneingeschränkt positiv auf Aktien eingestellt, rechnet er doch mit einer längerfristigen Seitwärtsbewegung.


"Es geht jetzt mehr um Qualität", betont Hayes und empfiehlt Anlegern einen Fokus auf dividendenstarke Titel und aktives Management. Denn es lasse sich dennoch Geld verdienen: Positiv schätzt Hayes Titel aus Schwellenländern negativ hingegen US-Aktien.


Defizite bremsen Aktien

Kein Wunder, erwartet der Stratege von Ned Davis doch, dass die hohen Staatsdefizite, insbesondere in den USA und Großbritannien, die Gewinne an den Aktienmärkten schmälern werden. Kurzfristig seien zwar noch Gewinne mit Aktien möglich, doch längerfristig blieben die Märkte in einem Bärenmarkt, so Hayes.


Der US-Leitindex S&P500 notiert heute noch immer rund 20 Prozent unter seinem Wert von vor zehn Jahren (ohne Berücksichtigung von Inflation). Angesichts von eher negativen Aussichten auf Anleihen und Aktien setzt Hayes insbesondere auf reale Vermögenswerte wie Rohstoffe. Eine globale "Reflation", eine Rückkehr von Inflation, werde die Preise für Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Gold gleichermaßen ansteigen lassen.